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Veganes Essen: Die Vor-und Nachteile des Verzichts auf tierische Produkte

Veganismus ist in letzter Zeit immer populärer geworden und hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Wenn Sie sich für die vegane Lebensweise entscheiden möchten, sollten Sie im Vorfeld einige wichtige Punkte bedenken und den Ernährungsumstieg gut planen.

Das versteht man unter Veganismus

Wer sich vegan ernährt, verzichtet nicht nur auf Fleisch, sondern auf alle tierischen Lebensmittel. Viele Veganer gehen noch einen Schritt weiter, indem sie konsequent alle Erzeugnisse tierischen Ursprungs ablehnen. Dazu zählen Lederbekleidung und -schuhe ebenso wie Körperpflegeprodukte mit Bienenwachs, Daunenjacken und Wollpullover.

Hinter der Entscheidung für einen derartigen Lebensstil können zahlreiche Gründe stecken. Veganismus setzt ein Zeichen gegen die Ausbeutung von Tieren. Nutztierhaltung geht in der heutigen Zeit und in unserer industrialisierten Gesellschaft meist mit Tierquälerei einher. Massentierhaltung bedeutet nicht nur großes Leid für die Tiere, sondern stellt zudem eine große Belastung für die Umwelt dar.

Auch das Welthungerproblem hängt direkt mit Massentierhaltung und dem enormen Fleischkonsum der westlichen Welt zusammen.
Veganismus ist für viele deshalb nicht bloß ein Ernährungsstil, sondern vielmehr eine Lebensphilosophie.

Neben allgemeinem Veganismus gibt es auch Unterformen. Menschen, die sich als Frutarier ernähren, verzehren lediglich Früchte, deren Ernte ohne Zerstörung der jeweiligen Pflanzen möglich ist. Bio-Veganer ernähren sich nur von unter bestimmten ökologischen Gesichtspunkten angebauten Pflanzen, während Rohkost-Veganer nur pflanzliche Rohkost zu sich nehmen.

Wofür Sie sich auch interessieren und letztendlich entscheiden, in jedem Fall sollten Sie sich vor einer Änderung Ihrer Ernährungsgewohnheiten intensiv mit dem Thema Veganismus auseinandersetzen.

Ethische Gründe

Veganismus hat für Mensch und Umwelt zahlreiche Vorteile. In erster Linie setzt Veganismus ein Zeichen gegen die Ausbeutung von Tieren. Große, industrialisierte Mastbetriebe haben nichts mehr mit artgerechter Tierhaltung und natürlichen Lebensumständen zu tun, sondern sind einzig und allein auf die Erwirtschaftung von Profit ausgerichtet. Sie verursachen unsägliches Leid bei den Tieren und schaden durch den notwendigen Einsatz von Antibiotika und sonstigen Medikamenten langfristig auch der Gesundheit des Menschen.

Obwohl die Haltungsbedingungen und Lebensumstände in sogenannten Bio-Betrieben besser sind, dienen die dort gehaltenen Tiere letztendlich auch nur der Produktion tierischer Rohstoffe. Die diesbezüglichen Argumente der Veganer gründen sich auf Teilbereiche der Ethik, die keine moralische Rechtfertigung für das Leid von Tieren zulassen.

Umfangreiche geistige Fähigkeiten, ein komplexes Sozialverhalten und die nicht bestreitbare Leidensfähigkeit von Tieren dienen Veganern als Gründe für den Verzicht auf tierische Produkte. Tiere müssen daher ethisch berücksichtigt werden. Die Unterscheidung zwischen Mensch und Tier oder vielmehr die Frage, wo diese getroffen werden muss, ist allerdings nach wie vor ein großer Streitpunkt unter Philosophen und Ethikern.

Umweltschutz

Einen kaum bestreitbaren und objektiv gültigen Grund, der für eine vegane Lebensweise spricht, findet man im Bereich Umweltschutz. Die Herstellung von tierischen Produkten trägt einen wesentlichen Teil zum Klimawandel und zur Umweltverschmutzung bei, sodass jeder, der sich für einen veganen Lebensstil entscheidet, einen Beitrag zu einer saubereren Umwelt leistet.

Industrialisierte Tierhaltung verbraucht nicht nur enorme Ressourcen wie Luft, Wasser, Energie und Fläche, sondern ist auch für einen großen Teil an Schadstoffemissionen verantwortlich.

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Welternährung

Veganismus steht jedoch nicht nur im Zusammenhang mit Klimawandel und Umweltschutz, sondern hat auch Auswirkungen auf das Welthungerproblem. Zahlreiche Befürworter des Veganismus behaupten, dass eine zunehmend vegane Ernährung in den westlichen Industriestaaten eine positive Auswirkung auf die Ernährungssituation der Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern habe. Weideflächen für Tiere sowie Rohstoffe, die zur Futtermittelherstellung verwendet werden, könnten direkt der hungernden Bevölkerung zugutekommen.

Gesundheitliche Gründe

Durch vegane Ernährung können Sie zahlreichen Zivilisationskrankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Da sich Veganer grundsätzlich intensiv mit ihrer Ernährung auseinandersetzen müssen, um dem Körper alle wichtigen Nährstoffe zuzuführen, ist ihr Speiseplan oft ausgewogener als jener sich herkömmlich ernährender Menschen.

Der hohe Ballaststoffgehalt eines durchschnittlichen veganen Speiseplans wirkt sich positiv auf das Verdauungssystem aus. Im Gegensatz dazu sinkt meist der Cholesterinspiegel und auch Übergewicht kann oft dauerhaft reduziert werden. Vegane Ernährung kann auch sinnvoll sein, wenn Sie unter einer Lebensmittelunverträglichkeit wie zum Beispiel Laktoseintoleranz leiden.

Der Verzicht auf tierische Lebensmittel kann sich gerade in Hinsicht auf Lebensmittelunverträglichkeiten vorteilhaft auf den menschlichen Organismus auswirken und den Körper entlasten.

Die Nachteile von Veganismus

Selbstverständlich hat Veganismus nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile. Einer der größten Nachteile eines veganen Lebensstils ist gerade in Hinsicht auf die Ernährung der relativ hohe Aufwand, der betrieben werden muss, um dem Körper alle lebenswichtigen Nährstoffe und Vitamine zuzuführen.

Möchten Sie sich vegan ernähren, müssen Sie sich intensiv mit Ihrem Speiseplan auseinandersetzen und diesen gut durchdacht zusammenstellen, denn sonst kann es zu Mangelerscheinungen und in weiterer Folge zu gesundheitlichen Problemen kommen. Die intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Ernährung bringt letztendlich jedoch auch Vorteile, da man dem Körper genau jene Nährstoffe zuführt, die er braucht.

Gesundheitliche Risiken und Mangelerscheinungen

Bei einer veganen Ernährungsweise kann es leicht passieren, dass man zu wenig Eiweiß zu sich nimmt. Dem können Sie durch den regelmäßigen Verzehr von Nüssen und Hülsenfrüchten wie zum Beispiel Linsen entgegenwirken.

Da die Aufnahme von Vitamin B12 mit dem Verzehr tierischer Lebensmittel zusammenhängt, ist dies ein wichtiges Thema für Veganer. Achtet man bei veganer Ernährung nicht besonders auf die Zufuhr von Vitamin B12, kann dies langfristig zu schweren Mangelerscheinungen und Folgeerkrankungen wie Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.

Besonders schwerwiegende Auswirkungen kann ein zu geringer Anteil an Vitamin B12 in der Muttermilch stillender Mütter haben. Hier können verzögerte Entwicklung und schwere Hirnschädigungen des Kindes die Folge sein. Um keinerlei Risiko einzugehen, sollten Sie bei veganer Ernährung Vitamin B12 immer in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zu sich nehmen.

Abgesehen von Vitamin B12 muss bei einer veganen Ernährungsweise auch auf die Zufuhr anderer Vitamine und Mineralstoffe besonderes Augenmerk gelegt werden. Um einem Kalziummangel vorzubeugen, sollten Sie kalziumhaltige Lebensmittel wie Brokkoli und Tofu in ausreichenden Mengen essen. Darüber hinaus kann auch Mineralwasser mit einem besonders hohen Gehalt an Kalzium einem Mangel vorbeugen.

Eisen und Jod zählen ebenfalls zu den häufig fehlenden Mineralstoffen und Spurenelementen. Gemüse wie Linsen, Erbsen, Karotten und Pfifferlinge enthalten relativ viel Eisen und sollten daher regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. Diese sollten mit Obst und Gemüse, das besonders reich an Vitamin C ist, kombiniert werden, da Vitamin C dem Körper die Aufnahme von Eisen erleichtert. Spinat ist ein guter Jodlieferant, ebenso wie Feldsalat. Sie können dem Körper Eisen und Jod jedoch auch über Nahrungsergänzungsmittel zuführen

Weitere Nachteile

Veganer investieren meist viel Zeit und Mühe in die Zusammenstellung ihres Speiseplans. Dies geschieht zwar in erster Linie, um Mangelerscheinungen vorzubeugen, ist jedoch auch notwendig, um keine versteckten tierischen Inhaltsstoffe zu sich zu nehmen.

Aus diesem Grund sind Restaurantbesuche häufig nicht möglich, da sich in herkömmlichen Gerichten oft zahlreiche versteckte Zutaten tierischen Ursprungs befinden. Dies ist sicherlich für viele Menschen ein weiterer Nachteil, jedoch gibt es gerade in größeren Städten immer mehr Restaurants, die sich auf vegane Gerichte spezialisiert haben oder zumindest eine kleine Auswahl dieser Gerichte anbieten.

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Fazit

Veganismus hat zahlreiche Vor- und auch Nachteile. Wenn Sie sich vegan ernähren möchten, sollten Sie sich grundlegend mit den ernährungsphysiologischen Bedürfnissen des menschlichen Körpers auseinandersetzen, um Ihrem Körper auch ohne tierische Lebensmittel alle Nährstoffe zu geben, die er benötigt. Dies kann viel Zeit und Geduld in Anspruch nehmen.

Auch der Alltag als Veganer erfordert ständiges Mitdenken, um versteckte tierische Inhaltsstoffe zu vermeiden und alle für den Körper wichtigen Nährstoffe aufzunehmen.

Nichtsdestotrotz hat Veganismus auch zahlreiche Vorteile, wie zum Beispiel eine intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper – und damit in der Regel auch eine bessere Gesundheit. Eine ausgewogene vegane Ernährung kann nachweislich schweren Erkrankungen vorbeugen. Darüber hinaus dient Veganismus nicht nur dem Individuum, sondern vor allem der Gesamtheit der Menschen, was sich in den Bereichen Umwelt- und Klimaschutz sowie Welternährung zeigt.

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