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Vereinigung von Körper, Geist und Seele: Tantra für Einsteiger

Tantra – eine Definition

Das aus dem Sanskrit stammende Wort Tantra bedeutet wörtlich „Gewebe“. Allerdings verändert sich diese Definition je nach Tradition und Ausrichtung. Ein weiterer Ausdruck für Tantra ist „Zusammenhang“. Im Gegensatz zum Hinduismus und Buddhismus stellt Tantra keine Religion dar. Vielmehr bezeichnet es eine religiöse Tendenz innerhalb dieser beiden indischen Religionen. So gibt es einen tantrischen Hinduismus und einen tantrischen Buddhismus. In diesen religiösen Teilbereichen kommen tantrische Inhalte zum Tragen, doch ohne diese zu dominieren.

Tantra setzt sich stets aus Denken und Handeln zusammen. Wer eine tantrische Handlung ausübt, tut dies aufgrund einer inneren Einstellung. Verbreitete Anwendungen wie Tantra-Massage oder Tantra-Yoga setzen mehr voraus als bloße Handfertigkeiten und Techniken. Der tantrischen Praxis geht immer ein spirituelles Ziel voraus.

Die Ursprünge

Die Ursprünge des Tantra liegen im Dunkeln, lassen sich jedoch bis ins 5. Jahrhundert zurückverfolgen. Die zugrundeliegenden Überlieferungen – die Tantras – umgibt etwas Geheimnisvolles. Mitunter werden ihre Quellen auf nichtmenschliche Wesen zurückgeführt. Die frühen tantrischen Schriften des Mittelalters waren dementsprechend nicht für die Allgemeinheit gedacht, sondern einer Elite vorbehalten. Repräsentative Aufzeichnungen aus dieser Epoche existieren seit dem siebten Jahrhundert.

Die Einheit aus Energie und Schöpfungskraft

Im Zentrum der tantrischen Lehre stehen göttliche Energie und Bewusstsein. Das Universum gilt dabei als ein Zusammenwirken beider Aspekte, die letztendlich eine Einheit darstellen. Die tantrische Praxis – geistige und körperliche Übungen – zielt auf diese Einheit und strebt dabei ebenso die Vereinigung von Körper, Geist und Seele an.

Tantra in der westlichen Welt

Erst spät fand Tantra aus Indien den Weg in die westliche Welt. Eine Schlüsselrolle in der Verbreitung der Lehre spielte dabei der britische Okkultist Aleister Crowley zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Crowley wurde durch seine sexualmagischen Praktiken bekannt, zu denen ihn fernöstliche Weisheiten inspirierten – unter anderem Tantra. Die religiösen Aspekte des Hinduismus und Buddhismus traten bei Crowley und seinen Anhängern zunehmend in den Hintergrund. Ins Zentrum von Theorie und Praxis rückte der sexuelle Aspekt als elementare Voraussetzung körperlich-geistigen Wohlbefindens.

Neotantra

Sprechen wir heute von Tantra, meinen wir in der Regel Neotantra. Diese Richtung umfasst Meditation, Esoterik und Yoga, mithin: die Einheit von Körper, Geist und Seele. Der indische Philosoph Bhagwan Shree Rajneesh etablierte das moderne Neotantra ab den 1970er Jahren zuerst in den USA und später auch in Europa. Es entwickelte sich eine den Bedürfnissen der westlichen Welt entgegenkommende Tantra-Szene, die sich durch Tantra-Yoga und Tantra-Massagen einen Namen machte. Entsprechende Etablissements finden sich in vielen größeren Städten. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, einen Tantra-Experten zu sich nach Hause einzuladen.

Tantra und Sexualität

Schon im ursprünglichen Tantra gab es eine sexuelle Tradition, die in entsprechenden Riten gepflegt wurde. Nicht menschliche oder tierische Opfer, sondern Körperflüssigkeiten spielten dabei eine Rolle. Allerdings dienten Lust und sinnliches Empfinden nicht dem Selbstzweck. Entscheidend in diesen kultischen Handlungen war stets der göttliche Zusammenhang. Im heutigen Tantra nimmt Sexualität eine Schlüsselstellung ein. Es richtet sich an Männer, Frauen und Paare sowohl in heterosexuellen als auch homosexuellen Beziehungen.

Empfindungen wie mangelndes Körperbewusstsein oder Lieblosigkeit können den Wunsch nach tantrischen Anwendungen auslösen. Für Partner mit Beziehungsschwierigkeiten steht der therapeutische Effekt im Mittelpunkt. Wer die Bedürfnisse des eigenen Körpers versteht, versteht auch die seines Gegenübers besser. So gelangt man über die eigene Achtsamkeit zur Wertschätzung des Partners. Im selben Atemzug werden auch folgende Empfindungen und Eigenschaften gestärkt: Lust, Offenheit, Mut, Sensibilität, Ausdauer und Konzentration.

Tantra-Massagen

Tantra-Massagen werden gemeinhin in speziellen Tantra-Schulen oder auf Tantra-Seminaren angeboten. Seit den 1990er Jahren haben sich in vielen deutschen Städten solche Schulen etabliert. Sie zählen zur Bewegung des Neotantra und teilen mit diesem viele Anschauungen, dies trifft namentlich auf die sexuelle Komponente zu. Im Mittelpunkt von Tantra-Massagen stehen daher auch die Geschlechtsteile. Tantra-Massagen sind jedoch nicht ausschließlich erotische Massagen.

Tatsächlich erfüllen sie den Wunsch nach bewusster und sinnlicher Wahrnehmung des eigenen Körpers. Erotik darf dabei eine Rolle spielen, ist allerdings keine Voraussetzung oder erklärtes Ziel. Die Rollen von Masseur und Massierendem bleiben gewahrt. Nacktheit wird während des Massierens als natürlich empfunden und respektiert. Eine Tantra-Massage ist nicht mit einer Sex-Massage zu verwechseln und dient auch nicht dem reinen Lustempfinden.

Massagen für Frauen

Die Yoni-Massage ist die Intim-Massage für Frauen. Dabei lernen diese unter kundigen Händen ihren Körper bewusst spüren. Sämtliche Bewegungen und Anwendungen finden ohne Zwang statt. Das Einverständnis und entspannte Körperempfinden der Frau haben oberste Priorität. Sie kann hier frei von Leistungs- oder Beziehungsdruck loslassen und sich ganz der Masseurin oder dem Masseur anvertrauen. Die Massage berücksichtigt äußerliche Stellen wie den Venushügel und tastet sich von dort aus bis zum G-Punkt vor.

Massagen für Männer

Diese Massage wird auch als Lingam-Massage angeboten. Das Lingam ist das indische Symbol geschlechtlicher Vereinigung. Mithin gilt es als das heiligste Liebessymbol sowie Symbol des ewigen Lebens. Die Lingam-Massage konzentriert sich auf den Penis des Mannes.

Viele Männer haben Fragen zu dem Thema. Hier gilt es, sich ohne Scheu dem Masseur oder der Masseurin anzuvertrauen. Ein Vorabgespräch hilft, Unsicherheiten zu klären. Eine Erektion bis hin zum Orgasmus sind bei einer Lingam-Massage kein Muss, allerdings auch nichts Unnatürliches. Neben der Lingam-Massage ist die Prostata-Massage verbreitet. Männer haben hier die Möglichkeit, ihr Lustzentrum entspannt und ohne schlechtes Gewissen neu kennenzulernen.

Honigmassage

Partnermassagen

Tantrische Partnermassagen weisen einen stärkeren rituellen Charakter als Einzelmassagen auf. Hier begegnet ein Paar einem Masseur und einer Masseurin, wahlweise auch gleichgeschlechtlich. Unter Anleitung lernen sich die Liebenden von einer ganz neuen Seite kennen. Der Reiz liegt in den geführten Bewegungen und lustvollen Überraschungsmomenten. Wie weit sie den Intimbereich in die Massage einbeziehen wollen, entscheiden die Massierenden selbst. Ebenso, ob sie im selben oder in einem getrennten Raum massiert werden möchten.

Fazit

Tantra hat einen langen Weg von seinen indischen Ursprüngen bis in unsere heutige Gesellschaft zurückgelegt. Von den spirituellen Wurzeln profitieren wir mehr denn je. Die zeitgemäße tantrische Lehre bietet einen einzigartigen Zugang zum Verständnis von Geist und Körper. In der Praxis zielen die Anwendungen auf spirituelles, körperliches und seelisches Wohlbefinden. In sexueller Hinsicht verhilft Tantra zu mehr Harmonie und Gelöstheit und stellt eine wertvolle Bereicherung des Liebeslebens dar.

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