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Richtig bauen und dämmen: So hält ein Reetdach 40 Jahre

Reetdachhäuser prägen vor allem in Norddeutschland den Charakter der Region. Bei der Abstimmung heutiger Wohnstandards mit den Eigenschaften des historischen Reetdachs ist Fachkompetenz gefragt.

Reet als historischer Naturbaustoff

Reet ist die norddeutsche Bezeichnung für Schilfrohr. In einigen Gegenden spricht man deshalb auch von Rohrdächern. Eine Dachbedeckung aus Schilf bot unseren Vorfahren viele Vorteile. Reet ist ein natürlich nachwachsender Baustoff. Durch seinen hohen Silikatgehalt ist es relativ widerstandsfähig. Die luftgefüllten Hohlräume der Schilfrohre wirken wärme- und schalldämmend.

Auch sind die Halme sehr fest und elastisch und daher belastbar. Die Ernte erfolgt im Winter, wenn die Blätter bereits abgestorben sind. Spezielles Dachreet muss bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen. Es gibt verschiedene Techniken, ein Dach mit Reet zu decken. Hier unterscheidet man zwischen gebundener, genähter und geschraubter Deckung.

Wenn Sie heute ein Reetdachhaus sanieren oder neu bauen möchten, tragen Sie zur Erhaltung des typischen Landschaftsbildes bei. Reetdächer stellen jedoch besondere Anforderungen an die bauphysikalischen Eigenschaften eines Hauses. Vor allem beim Dachausbau, bei Modernisierungs- und Isolierungsarbeiten ist es wichtig, diese Eigenheiten zu beachten.

Das größte Risiko: Feuchtigkeit

Bei guten Voraussetzungen kann ein Reetdach etwa 40 Jahre halten. Dabei spielen nicht nur Umwelteinflüsse wie Niederschläge, Sonne, Frost und Sturm eine Rolle. Den größten Einfluss auf die Lebensdauer hat die Feuchtigkeit. Grundsätzlich bleibt ein Reetdach umso länger intakt, je besser es regelmäßig abtrocknen kann. Das ist besonders in der kalten und feuchten Jahreszeit schwierig.

In dauerhaft feuchtem Reet vermehren sich Pilze und Mikroorganismen, die das Material schädigen. Die Entstehung eines Biofilms und der Bewuchs mit Algen und Moos blockieren zusätzlich die Luftzirkulation. So kann das Dach noch schlechter trocknen. Neben der Verringerung der Feuchtigkeitsbelastung ist deshalb auch eine regelmäßige Reinigung und Pflege des Reetdaches wichtig. Harken Sie das Dach regelmäßig ab und klopfen Sie die Halme fest. Auch ein Fachbetrieb kann diese Arbeiten übernehmen. Falls es Probleme mit Moosbewuchs und Algenbildung gibt, lassen Sie sich zu möglichen Gegenmitteln beraten.

Nässe von außen und innen

Die Fachregeln des Deutschen Dachdeckerverbandes schreiben für Reetdächer eine Dachneigung von mindestens 45 Grad vor, damit das Regenwasser gut abfließen kann. Aber nicht nur Niederschläge tragen zur Durchfeuchtung eines Reetdaches bei. Auch Wasserdampf von innen spielt eine große Rolle. Er steigt nach oben, dringt in das Reetdach ein und kondensiert darin. Moderne Wohnraumnutzung und Wärmedämmung haben oft eine zu hohe Luftfeuchtigkeit im Inneren des Hauses zur Folge. Isolierungsmaßnahmen und Belüftungssysteme müssen deshalb auf die besonderen Anforderungen eines Reetdachhauses abgestimmt sein.

Auch während eines Neubaus oder bei Modernisierungen innerhalb des Hauses entsteht bei vielen Arbeiten eine hohe Luftfeuchtigkeit im Haus. Achten Sie während der Bauphase auf ausreichende Belüftung und führen Sie solche Maßnahmen möglichst nicht in der kalten Jahresszeit durch. Die Qualität des Reets, die Art der Verarbeitung und die Dachkonstruktion beeinflussen ebenfalls die Haltbarkeit. Zugleich spielt die Lage des Hauses eine Rolle. Steht es unter Bäumen, kann das Reetdach schlechter abtrocknen. Verschmutzungen durch Blätter, Blüten oder Nadeln behindern diesen Prozess zusätzlich.

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Reetdachhäuser früher und heute

Wenn das Dachgeschoss eines Reetdachhauses zu Wohnzwecken ausgebaut werden soll, ist eine Wärmedämmung erforderlich. Das schreibt die Energiesparverordnung vor. Die Besonderheiten eines Reetdachhauses stellen spezielle Ansprüche an die Dachisolierung. Dabei ist es eine Herausforderung, sowohl am Gebäude als auch am Reet Feuchtigkeitsschäden zu vermeiden.

Der Grund für diese Schwierigkeiten zeigt sich, wenn man die Bauweise alter Reetdachhäuser mit heutigen Wohnstandards vergleicht. Damals war der Dachboden nicht ausgebaut. Da warme, feuchte Luft nach oben steigt, trug das Dachmaterial zur Lüftung und Feuchtigkeitsregulierung des gesamten Hauses bei. Die Eulenlöcher, die sich auf beiden Giebelseiten unterhalb des Firsts befinden, förderten den Luftzug. Ursprünglich dienten diese als Rauchabzug. Durch die ständige Luftzirkulation konnte das Reet nach Niederschlägen besser trocknen.

Wärmedämmung eines Reetdachs

Für die richtige Isolierung eines Reetdaches sind individuelle Gegebenheiten zu beachten. Dazu gehören unter anderem die Nutzungsintensität des Hauses und die verwendeten Baumaterialien. Ob sich unter dem Dach eine Gelegenheitsunterkunft für Gäste oder ein regelmäßig genutztes Bad befindet, beeinflusst die entstehende Wohnfeuchte. Ein altes Gebäude aus historischem Baumaterial hat andere bauphysikalische Eigenschaften als ein neues Haus. Auch Fragen des Denkmalschutzes können eine Rolle spielen.

Wer Isolierungsarbeiten an einem Reetdachhaus vornehmen möchte, braucht dafür Fachwissen und Erfahrung. Deshalb ist es empfehlenswert, nur spezialisierte Betriebe mit diesen Arbeiten zu beauftragen. Beim Ausbau des Dachgeschosses gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten der Konstruktion: als Kaltdach oder als Warmdach. Danach richten sich letztendlich auch die Anforderungen an die Wärmedämmung. Ein Kaltdach ist unter dem Reet mit zirkulierender Luft hinterlüftet. Beim Warmdach gibt es dort keine oder nur eine stehende Luftschicht.

Das Kaltdach

Ein altes Reetdachhaus ohne ausgebauten Dachboden hat im Grunde genommen ein Kaltdach, da direkt unter dem Reet eine ständige Luftzirkulation gegeben ist. Aber auch beim Dachausbau lassen sich mit einer entsprechenden Konstruktion ähnliche Effekte erzielen. Zwischen der gedämmten Innenwand des Dachbodens und der Reetabdeckung befindet sich in diesem Fall ein Zwischenraum. Durch Belüftungsöffnungen entsteht dort eine ständige Ventilation. Das Belüftungssystem muss dabei gut durchdacht sein, damit sich an keiner Stelle stehende Luftschichten bilden.

Eine Kaltdachkonstruktion hat bei fachgerechter Ausführung den Vorteil, dass das Reet besser trocknen kann und dadurch länger hält. Die Reetabdeckung und die Luftschicht zählen jedoch in diesem Fall gemäß Energiesparverordnung nicht zur Wärmedämmung. Das beeinflusst die Anforderungen an die Isolierung der Innenwand. Ein weiteres Problem besteht darin, dass sich ein Brand bei einem Kaltdach schneller ausbreiten kann. Ursache dafür ist die Kaminwirkung der Belüftung. Aber auch was dieses Problem betrifft, gibt es Materialien und Möglichkeiten, den Brandschutz zu verbessern. Erfahrene Fachleute können Sie dazu beraten.

Das Warmdach

Ein Warmdach ohne zirkulierende Hinterlüftung braucht eine Dampfsperre auf der Innenseite. Diese verhindert, dass das Reet durch Dampfkondensation von innen durchfeuchtet. Die Qualität dieser Dampfsperre hat einen großen Einfluss auf die Haltbarkeit des Reetdaches. Eine wasserabweisende Hartschicht unter dem Schilf begünstigt den Ablauf des Regenwassers.

Bei Warmdächern zählt die Reetschicht zur Wärmedämmung gemäß Energiesparverordnung. Auch das Verhalten im Brandfall ist günstiger. Allerdings kann das Reet vor allem im Herbst und Winter schlechter trocknen, sodass die Gefahr von Feuchtigkeitsschäden grundsätzlich größer ist als bei einem Kaltdach. Für die Beurteilung dieses Risikos spielen jedoch verschiedene Faktoren eine Rolle, auch die Lage des Hauses.

Es ist auch möglich, ein Warmdach ohne Dampfsperre zu dämmen. Der Dämmstoff sollte in diesem Fall feuchtigkeitsausgleichende Eigenschaften haben. Hanfwolle eignet sich beispielsweise gut dafür. Bei dieser Art der Konstruktion müssen Sie besonders auf die regelmäßige Belüftung des Hauses und auf die Pflege des Reetdaches achten. Denn Moos und Schmutz auf der Außenseite behindern den Feuchtigkeitstransport zusätzlich.

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Fazit

Reet ist ein natürlicher, regionaltypischer Baustoff zur Dachabdeckung. Die Haltbarkeit eines Reetdachs hängt sehr stark von der Trocknungsfähigkeit ab. Dabei stellen die modernen Standards der Wärmedämmung und der heute übliche Ausbau des Dachgeschosses eine besondere Herausforderung dar. Im Rahmen des Dachausbaus und der Dämmarbeiten lassen sich Reetdächer als Kaltdach oder Warmdach konstruieren. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Nicht nur bei der Dämmung des Dachgeschosses, sondern bei allen Modernisierungsarbeiten sind die bauphysikalischen Eigenschaften des gesamten Hauses zu beachten. Spezialisierte Dachdecker und Bauunternehmen kennen sich mit den Besonderheiten von Reetdachhäusern aus.



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