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Neue Schüler vs. alter Stoff: Richtig gute Beispiele zeitgemäßer Pädagogik

Die deutsche Bildungslandschaft ist seit einigen Jahren in Bewegung geraten. Neue Lernkonzepte und alte Bildungstraditionen stehen zur Diskussion. Letztlich geht es um die Zukunft unser aller Kinder.

Kompetenzorientierter Unterricht

Nicht erst seit dem Schock über die schlechten Ergebnisse der ersten PISA-Studien tut sich in der deutschen Schullandschaft einiges. Seit 2000 vergleicht die OECD regelmäßig die Leistungen der Schüler ihrer Mitgliedsstaaten. Die deutsche Kultusministerkonferenz reagierte auf das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler im internationalen Vergleich mit dem Einführen kompetenzorientierter Bildungsstandards.

An erster Stelle stehen nicht mehr der zu vermittelnde Unterrichtsstoff, sondern die Fähigkeiten, sprich Kompetenzen, die die Schüler erwerben, um Probleme selbständig zu lösen. So bereitet kompetenzorientierter Unterricht unsere Schüler auf den rasanten Fortschritt der modernen Wissensgesellschaft vor. Am Ende ihrer Schullaufbahn erlangen die jungen Erwachsenen hoffentlich die methodischen Fähigkeiten, die ständig neuen Herausforderungen der heutigen Arbeitswelt selbstbewusst zu bewältigen.

In diesem Zusammenhang ist die Diskussion um die Inhalte noch lange nicht beendet. Vertreter einer strikten Kompetenzorientierung, wie der Marburger Forscher Rainer Lersch, sprechen davon, dass der Unterrichtsstoff in Zukunft keine Rolle mehr spielt.

Inhalte sind demnach nur Übungsmaterial, um Kompetenzen zu erwerben. Andere Wissenschaftler, wie der Erziehungswissenschaftler und Entwicklungspsychologe Andreas Helmke, gehen eher von einer Anpassung der Bildungsinhalte aus. Aus dieser Sicht ist es wünschenswert, dass sich der Unterrichtsstoff auf die wesentlichen Konzepte eines Faches konzentriert. Hier findet ebenfalls ein Verschieben zugunsten der Kompetenzorientierung statt, ohne jedoch den althergebrachten Bildungskanon völlig zu beseitigen.

Was bedeutet kompetenzorientierter Unterricht konkret?

Hilbert Meyer, einer der meistgelesenen deutschen Schulpädagogen, beschreibt ihn als einen offenen und schüleraktiven Unterricht. Lehrer tragen hier den alten Stoff nicht mehr vor, in der Hoffnung, dass alle Schüler zuhören und es verstehen. Vielmehr konzipieren die Lehrer in Zukunft ihren Unterricht auf Grundlage des Vorwissens der Schüler. Die einzelnen Schülerinnen und Schüler einer Klasse und ihre Fähigkeiten werden somit zum Mittelpunkt des Unterrichts.

Der neuseeländische Pädagoge John Hattie bestätigte in seiner Studie „Visible Learning“ ebenfalls, dass Lernprozesse effektiv sind, wenn der Lehrer es schafft, den Unterricht aus der Perspektive der Schüler zu gestalten. Durch ein differenziertes Lernangebot, das sich an den Kompetenz-Stufen-Modellen orientiert, hat so jeder Schüler die Möglichkeit, seine individuellen Fähigkeiten zu steigern. Die Kompetenz-Stufen-Modelle geben in den deutschen Bundesländern vor, welche Kompetenzen die Schüler eines Jahrgangs im Laufe des Schuljahres idealerweise entwickeln.

zwei lehrerinnen arbeiten in einer klasse

Ein weiteres Kriterium für kompetenzorientierten Unterricht ist laut Hilbert Meyer die Eigenverantwortlichkeit der Schüler. Die Lernenden brauchen die Möglichkeit, ihr Wissen und Können systematisch auszubauen. Ziel ist, dass im Gedächtnis ein verknüpftes Netz an Informationen entsteht, das immer zur Verfügung steht. In der Lernpsychologie gehen Wissenschaftler schon länger davon aus, dass die Schüler nur Wissen, das sie in einer Art verknüpftem Netzwerk erwerben, dauerhaft behalten. Der einzelne Schüler benötigt also die Chance, neuen Stoff mit bereits Gelerntem zu verknüpfen.

Damit das Gehirn den gelernten Stoff als sinnvoll und merkenswert einordnet, braucht es für den kompetenzorientierten Unterricht nun noch laut Hilbert Meyer den letzten Schritt: Das erworbene Wissen und Können ist in realitätsnahen Situationen anzuwenden. Hier zeigt sich die Stärke des kompetenzorientierten Unterrichts. Ist der einzelne Schüler beispielsweise in der Lage, die im Politikunterricht erlernte Konflikt-Analyse auch an einem ihm völlig unbekannten Konflikt anzuwenden? Erbringt er diese Transferleistung, hat der Schüler tatsächlich an Kompetenzen gewonnen und nicht bloß totes Wissen, also unbrauchbaren Unterrichtsstoff, angehäuft.

Die Neuentdeckung des Frontalunterrichts

Lange Zeit galt der klassische Frontalunterricht in der Schulpädagogik als abzulehnendes Auslaufmodell. Problematisch dabei ist, dass an deutschen Schulen nach wie vor rund 70 bis 80 Prozent des Unterrichts in dieser Sozialform stattfinden. Unter Frontalunterricht ist in der Regel ein Unterricht zu verstehen, an dem die Klasse als ganze Gruppe beteiligt ist und die Lehrkraft das Unterrichtsgeschehen bestimmt. Dazu gehört der klassische Lehrervortrag, meist ist es aber das Unterrichtsgespräch, bei dem die Lehrkraft Fragen an die Schüler stellt. Die Kritik an dieser Unterrichtsform ist vielfältig.

Aus den 1970er-Jahren stammt der Vorwurf, der Frontalunterricht erziehe zu undemokratischem Gehorsam. Den Lehr-/Lern-Kurzschluss führen Experten noch häufiger ins Feld. Das bedeutet, es sei ein Irrtum, dass Schüler etwas lernen, nur weil die Lehrkraft etwas lehrt. Die Antwort auf diese Probleme sind schülerorientierte Unterrichtsmethoden wie Gruppenarbeit oder Schülerdebatten. Ein weiteres Stichwort ist der handlungsorientierte Unterricht, bei dem die Eigentätigkeit der Schüler im Zentrum steht. In den letzten Jahren hat sich die Diskussion um den Frontalunterricht weitestgehend entspannt.

Viele bezeichnen ihn nun auch weniger plakativ als Plenumsarbeit. In den letzten Jahren tauchen vermehrt Forderungen nach einer Stärkung dieser Unterrichtsform auf. Der oben genannte Forscher John Hattie stellte mit seiner Meta-Studie ebenfalls die Erfolge von Gruppenarbeiten infrage. Er betonte die Bedeutung der Persönlichkeit des Lehrers. Eine Rückkehr zum klassischen Frontalunterricht wie aus der berühmten „Feuerzangenbowle“ fordert allerdings kaum ein Schulpädagoge. Vielmehr geht es den Befürwortern der Sozialform darum, die Stärken des frontalen Unterrichts zu nutzen, um die Schüler an eine selbständige Arbeit heranzuführen. Herbert Gudjons trug hier mit seinem Konzept des integrierten Frontalunterrichts maßgeblich zur Debatte in Deutschland bei.

Er plant, die Plenumsarbeit in ein ausgewogenes Verhältnis zu schülerorientierten Arbeitsformen zu bringen. Nach Gudjons erfüllt der Frontalunterricht bestimmte Funktionen, die das selbstständige Lernen der Schüler erst ermöglichen und fördern. So betont Gudjons, dass gerade die leistungsschwächeren Schüler der Orientierung und Überprüfung durch den Lehrer bedürfen.

Erfahrungsbasiertes Lernen in der Laborschule Bielefeld

Richten sich kompetenzorientierter Unterricht oder integrierter Frontalunterricht nach Gudjons weitestgehend nach den Rahmenbedingungen der klassischen Schulsituation, geht die Laborschule Bielefeld neue schulpädagogische Wege. Die Schule ist eine staatliche Versuchsschule des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, 1974 gegründet, um neue Formen von Schule zu entwickeln und zu erproben.

Dementsprechend besteht die Schule aus der Laborschule selbst und der angeschlossenen wissenschaftlichen Einrichtung, in der Wissenschaftler die Arbeit der Schule vorbereiten und auswerten. Die Schule steht in der reformpädagogischen Tradition, die unsere heutigen Schulformen vielfältig prägte. Die Laborschule versteht sich als ein Lern- und Lebensraum. Sie macht den Kindern Lernangebote, bei denen sie aus Erfahrung lernen. Auf ein Belehren verzichten die Lehrkräfte weitgehend. Regelmäßige Praktika bereiten als Teil des Lernangebots auf die Herausforderungen des Arbeitslebens vor.

Die Schüler arbeiten in verschiedenen Gruppen je nach Leistungsstand zusammen. Die üblichen Klassen nach Altersstufen spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. In der angeschlossenen wissenschaftlichen Einrichtung, die zur Bielefelder Universität gehört, reflektieren und analysieren Lehrkräfte und Wissenschaftler die Erfahrungen aus der Laborschule.

Hände aufeinander Freude in der Schule

Fazit

So unterschiedlich die modernen Lehr- und Lernkonzepte im Einzelnen sind, das selbständige Lernen der Schülerinnen und Schüler steht bei allen im Vordergrund. Die zeitgemäße Pädagogik zeichnet sich dadurch aus, dass die Schüler als individuelle Persönlichkeiten in den Mittelpunkt des Unterrichtsgeschehens rücken. Nicht mehr das reine Vermitteln des Wissens durch den Lehrer oder das Auswendiglernen des Lernstoffs versprechen erfolgreiches Lernen.

Ziel ist vielmehr, dass die Schüler Aktivierung und Förderung in ihren einsetzbaren Fähigkeiten erfahren. Als Ziel steht der selbstbestimmte Mensch, der die Herausforderungen unserer komplexen Gesellschaft erfolgreich meistert. Die Bedeutung der Unterrichtsinhalte als Bildungsstandards ist noch nicht abschließend geklärt. Klar ist nur, dass reines Faktenwissen nicht mehr ausreicht, um in der modernen Wissensgesellschaft zu bestehen.

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