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Behandlung von Kindern und Erwachsenen: Was beinhaltet die Ergotherapie?

Ergotherapie fördert die Fähigkeiten und das Wohlbefinden von Körper, Geist und Seele, indem sie Motorik und Sinneswahrnehmung schult. Hier erfahren Sie mehr über die Behandlung von Kindern und Erwachsenen.

Bei Ergotherapie handelt es sich um eine traditionsreiche Therapieform. Im Gegensatz zur Physiotherapie, die sich vor allem auf manuelle Anwendungen wie Massage, Wärme und Kälte, Wasser und Strom stützt, zielt Ergotherapie auf die typischen Alltagsbewegungen ab. Es geht darum, Handlungsfähigkeit zu erlangen oder wieder zu erlernen und die Patienten so unabhängig wie möglich von der Hilfe anderer Personen zu machen.

Vielfältige Einsatzbereiche

In der Ergotherapie erhalten Menschen aus allen Altersgruppen nicht nur therapeutische Unterstützung, sondern auch Hilfe zur Selbsthilfe. Dies beginnt bereits im Kindesalter, wenn der Nachwuchs Unterstützung bei der Bewältigung von Entwicklungsstörungen benötigt. Diese entstehen durch Reifungsverzögerungen im Mutterleib, durch eine Komplikation während der Geburt, eine Krankheit oder auch durch mangelnde Förderung in den ersten Lebensjahren.

Menschen mit Behinderungen finden in der Ergotherapie ebenfalls wertvolle Unterstützung beim Ausbau ihrer Alltagsfähigkeiten. Behinderungen sind in manchen Fällen angeboren. Oft entstehen sie aber auch durch ein plötzliches Ereignis wie einen Schlaganfall, einen ausgeprägten Bandscheibenvorfall oder Unfall. Manchmal kommt es aber auch im Rahmen einer Erkrankung wie der Multiplen Sklerose oder als Folge einer Operation zu einer Behinderung.

Selbstständigkeit als Therapiegrundsatz

Die Ergotherapie stellt die Bewegungen, die ein Mensch für seinen Alltag braucht, in den Vordergrund der Behandlung. Charakteristische Bewegungen sind beispielsweise das Greifen, Halten, Drücken und Bewegen von Gegenständen. Bei vielen Behinderungen oder Erkrankungen fehlen hierfür anfangs die Kraft oder die Koordination. Die Ergotherapie baut diese auf Grundlage der typischen Alltagsbewegungen wieder auf und trainiert diese.

Wer in der Ergotherapie beispielsweise wieder die Motorik seiner Hände verbessert, wird versierter im Umgang mit Messer und Gabel. So lernt er wieder, ohne fremde Unterstützung alleine zu essen. Das fördert nicht nur Selbstvertrauen und damit Lebensqualität, sondern entlastet auch die Angehörigen beziehungsweise das Pflegepersonal.

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Ganzheitlicher Ansatz bei der Behandlung

Da das Bewältigen von Alltagssituationen und den dafür nötigen Bewegungen nicht nur von der Motorik abhängt, verfolgt die Ergotherapie bei Kindern und Erwachsenen einen ganzheitlichen Ansatz. Das bedeutet, dass auch die geistigen Fähigkeiten in die Behandlung miteinfließen. Ein wichtiges Beispiel hierfür ist die Wahrnehmungsfähigkeit und deren gezielte Schulung.

Konzentration und Aufmerksamkeit lassen sich ebenfalls gezielt fördern, da sie in engem Zusammenhang mit dem Lernen stehen. Grundsätzlich basiert eine professionelle Ergotherapie auf einer vielfältigen Sinneswahrnehmung: Nicht umsonst heißt es in diesem Kontext häufig, dass Begreifen (Be-Greifen) eng mit Greifen zusammenhängt: Konkret sichtbar wird dies, wenn Kinder die Welt mit den Händen und nicht selten auch einmal mit dem Mund entdecken.

Ergotherapie für Erwachsene

Erwachsene führt häufig eine Erkrankung oder ein Unfall in die ergotherapeutische Behandlung. Im Gegensatz zur Akutbehandlung in der Klinik oder auch in der Krankengymnastik setzt die Ergotherapie an der Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit im Alltag an. ADL, das Training zur Alltagsbewältigung, ist ein bewährtes Konzept in der Ergotherapie. In vielen Fällen achtet der Therapeut auf das Verbinden von motorischen und kognitiven Fähigkeiten. So lässt sich die Handtherapie mit spielerischen Elementen verknüpfen, die gleichzeitig die Hirnleistungsfähigkeiten verbessern.

Bei der unterstützenden Behandlung der Demenz arbeitet die Ergotherapie ebenfalls ganzheitlich: Die geistigen Fähigkeiten lassen sich mithilfe der motorischen Übungen ebenfalls fördern. Manchmal erfordern es Erkrankungen oder Verletzungen auch, Bewegungen im Sinne eines Umlernens zu lernen, mit denen sich der Patient auf die neue Situation einstellt. So bietet die Ergotherapie wertvolle Möglichkeiten, im Rahmen der Behandlung von Menschen mit Amputationen oder Funktionsausfällen von Gliedmaßen, neue Bewegungsalternativen zu lernen und damit alltagsfähig zu bleiben.

Gespräche mit Patienten und Angehörigen

Im Vordergrund der Therapie steht immer der Mensch mit seinen individuellen Bedürfnissen. Welche Einschränkungen im Alltag und Beruf hat er? Welche Schwierigkeiten stören ihn besonders und welche sind eher zu vernachlässigen? Was wünscht sich der Patient von der ergotherapeutischen Behandlung konkret für die spürbare Verbesserung seiner Lebensqualität? All diese Voraussetzungen bezieht der Ergotherapeut in seine Behandlung ein. Einen wichtigen Faktor bieten zudem die Gespräche mit den Angehörigen, falls dies der erwachsene Patient wünscht.

Oftmals sind motorische Einschränkungen auch mit psychologischen Problemen wie Ängsten, Depressionen, Schamgefühlen oder Aggressionen aus Wut über die eigene Situation verbunden. Angehörigengespräche machen im Rahmen der Ergotherapie Sinn. Denn so lässt sich lernen, wie mit den Einschränkungen und der psychischen Verfassung des Patienten am besten umzugehen ist. Bei Patienten, die nicht in der Lage sind, sich selbst zu versorgen, sind diese Gespräche ohnehin unverzichtbar.

Ergotherapie für Kinder

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Das gilt für viele Lebensbereiche, aber besonders auch für die professionell und verantwortlich durchgeführte Ergotherapie. Es sind dabei nicht nur die anderen Erkrankungen beziehungsweise Entwicklungsverzögerungen zu berücksichtigen, die bei Kindern zu Einschränkungen führen. Es ist auch eine andere Art der Therapie nötig, die die kleinen Patienten auf ihrem Entwicklungsstand abholt und altersgerecht betreut und behandelt.

Spielerische Herangehensweise

Viele Therapieformen bei Kindern gehen spielerisch vor und berücksichtigen die Vorlieben der kleinen Patienten. Auf diese Weise heben sie nicht nur auf Schwächen ab, sondern betonen auch die Stärken. Grundsätzlich erfolgt eine ganzheitliche Vorgehensweise. Dies geschieht nicht nur, weil bei Kindern oft Kombinationen aus physischen und psychischen, seelischen, sozialen und sprachlichen Entwicklungsverzögerungen vorkommen.

Es entspricht auch dem Ansatz der Ergotherapie, einen Menschen, vor allem ein Kind, ganzheitlich zu sehen und zu fördern. Zudem bringt dies die besten Therapieergebnisse mit sich. Das spielerische Diagnostizieren von Störungen und Verbessern von motorischen und geistigen Fähigkeiten hat mehrere Vorteile: Zum einen konfrontiert es das Kind nicht direkt mit seiner Einschränkung und demotiviert sowie verunsichert es auf diesem Weg nicht. Zum anderen haben die spielerischen Elemente der Ergotherapie einen hohen Aufforderungscharakter.

Ob bunte Klötze oder Malstifte, Bälle oder Spielsteine: Kinder spielen von Natur aus gerne, sodass sie die Übungen und Bewegungen der Ergotherapie eben nicht als Therapie empfinden und daher verglichen mit anderen Behandlungen gerne mitmachen.

Vielfältiges Therapieangebot

Die Behandlungsformen der Ergotherapie sind genau auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt. Es ist daher immer eine ausführliche Diagnostik nötig, in die auch die Eltern des Kindes sinnvollerweise miteinzubeziehen sind. Anschließend erstellt der Therapeut für jeden kleinen Patienten eine maßgeschneiderte Therapie, die nicht nur Motorik und Wahrnehmung fördert, sondern auch das Selbstbewusstsein der kleinen Patienten. Oftmals gehen physische Defizite mit den psychischen beziehungsweise mentalen Defiziten Hand in Hand.

Daher erhalten in der Ergotherapie sowohl die körperlichen als auch die geistig-seelischen Aspekte Raum – und zwar in den Anteilen, die für den jeweiligen Patienten passend ist. Bei der Ergotherapie lernen die Kinder mit allen Sinnen. Das steigert die Wahrnehmungsfähigkeiten und hilft auch häufig bei Teilleistungsstörungen im schulischen Bereich. In allen Fällen ist es wichtig, die Kinder zu eigener Aktivität zu bewegen. Diese Selbstbestimmung verbessert das Selbstvertrauen und macht den Nachwuchs auch in sozialen Situationen sicherer.

Soziale Förderung

Manche Krankheitsbilder lassen sich im Rahmen der Ergotherapie besonders gut behandeln, wenn die Einzelförderung mit der Therapie in der Kleingruppe verbunden ist. Dies ist beispielsweise bei Verhaltensauffälligkeiten, Behandlungen im Bereich der Psychomotorik oder bei ADS beziehungsweise ADHS gegeben, wenn es um das Verbessern der Fähigkeiten zu Aufmerksamkeit und Konzentration geht.

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Interdisziplinäres Netzwerk

Dem ganzheitlichen Ansatz der Ergotherapie entspricht auch die Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Fachrichtungen, die am Behandeln des speziellen Erkrankungsbildes eines Erwachsenen oder eines Kindes beteiligt sind. Das sind im ärztlichen Bereich die Chirurgie, die Orthopädie, die Neurologie und Psychiatrie, die Innere Medizin oder die Geriatrie bei älteren Patienten.

Im nicht-ärztlichen Bereich arbeiten Ergotherapeuten beispielsweise mit Physiotherapeuten, Logopäden und Psychologen zusammen. Neben den Eltern, deren Mitarbeit wichtig für die Entwicklung der Kinder ist, lassen sich bei Bedarf auch ältere Geschwister, Lehrer oder die Erzieher aus dem Kindergarten in die Ergotherapie einbeziehen.

Fazit

Die Ergotherapie ist eine grundsätzlich ganzheitlich ausgerichtete Form der Behandlung. Sie kommt bei Entwicklungsverzögerungen sowie Funktionseinschränkungen durch Krankheiten oder Verletzungen zum Einsatz. Sie berücksichtigt die Individualität eines Menschen und setzt für Erwachsene und Kinder unterschiedliche Schwerpunkte bei den Konzepten für die Therapie.

Die Ergotherapie bezieht oft auch Angehörige in die Behandlung mit ein. Sie arbeitet bei Bedarf eng mit anderen medizinischen Fachrichtungen zusammen. Für die Behandlung durch einen Ergotherapeuten benötigen Sie einen Überweisungsschein vom zuständigen Arzt.



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