Wenn Menschen krank werden und die auslösende Ursache für die Beschwerden nicht zu finden ist, sollte immer daran gedacht werden, dass sich in der direkten Wohnumgebung Schadstoffe befinden können.
Belastete Wohnungen und Häuser
Jeder wünscht sich ein Zuhause, in das er sich entspannt zurückziehen kann. Doch immer häufiger leiden Menschen an
unklaren Krankheitssymptomen: das Gefühl der Abgeschlagenheit, schnelle Erschöpfung und Müdigkeit, Hautprobleme, Übelkeit, Reizungen der Augen und der Schleimhäute der oberen Atemwege.
Neben vielen anderen möglichen Auslösern der Beschwerden sollte auch immer die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dass die
gesundheitlichen Einschränkungen durch Wohngifte verursacht werden können. Besonders wenn zu beobachten ist, dass die Symptome sich vor allem während des Aufenthaltes in den geschlossenen Räumen zu Hause bemerkbar machen, lohnt es sich, das Wohnumfeld näher zu untersuchen.
Welche Schadstoffe gibt es?
Eine
schleichende Vergiftung durch Schadstoffe ist heute weit verbreitet. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wie man den problematischen Einwirkungen auf die Spur kommen kann. Jede moderne Epoche entwickelt neue Baustoffe, Farbanstriche und andere Materialien, die als Wohngifte wirken können. Das Problem: Eine ganze Reihe der Wohngifte sind weder zu riechen noch zu fühlen.
Asbest
Asbest wird zwar heute nicht mehr verwendet. In vielen älteren Häusern können jedoch noch Asbestplatten vorhanden sein. Wird der Asbest beispielsweise angebohrt, besteht die Gefahr, dass Asbestfasern in die Raumluft gelangen können. Der Begriff Asbest kommt aus dem Griechischen. Er bedeutet „unvergänglich“.
Es handelt sich bei dem Stoff um ein
faserförmiges Silikatmineral. Aufgrund seiner Eigenschaften wie Hitze- und Säurebeständigkeit wurde Asbest in vielen industriellen Bereichen und auch beim Hausbau massenhaft eingesetzt. Doch von Asbest gehen eindeutig bewiesene Gesundheitsgefahren aus.
Die winzigen Fasern des Materials halten sich lange in der Atemluft und werden bis tief in die Lunge eingeatmet. Die Folgen können
Staublungenkrankheiten wie eine Lungenfibrose sein. Asbest ist auch ein Auslöser für die Entstehung von Tumoren in der Lunge.
Formaldehyd
In früheren Jahren wurden vor allem für den Bau von Möbeln gern preiswerte
Spanplatten verwendet. Auch in Fertighäusern setzte man früher Materialien ein, die mit
Formaldehyd imprägniert wurden. Die Substanz wurde verwendet, weil sie keimhemmend und konservierend wirkt.
Vor allem im neuen Zustand von Möbeln kann noch ein
stechender Geruch in geschlossenen Räumen wahrgenommen werden. Die behandelten Platten geben ständig etwas von dem Schadstoff in die Atemluft ab, auch wenn Formaldehyd nicht mehr so offensichtlich zu riechen ist.
Durch häufiges Lüften wird die Ursache der Ausdünstungen nicht beseitigt.
Formaldehyd schädigt die Gesundheit. Eingeatmet reizt es die Schleimhäute. Untersuchungen haben ergeben, dass Formaldehyd sogar Krebs auslösen kann.
Weichmacher
Durch Warnungen vor
Weichmachern im Kinderspielzeug, die durch die Medien gingen, wurde der Öffentlichkeit bewusst, welche Gefahr dieser Schadstoff darstellen kann. Doch Weichmacher befinden sich in vielen Haushaltsgegenständen, in Fußbodenbelägen aus PVC, in den so beliebten Tapeten aus dem Kunststoff Vinyl und Wandfarben, aber auch in Buntstiften.
Weichmacher haben die gewünschte Eigenschaft, Materialien geschmeidiger und flexibler zu machen. Kinder haben die Angewohnheit, Spielzeug, Stifte und andere Dinge
in den Mund zu stecken. Dadurch nehmen sie die Gifte direkt auf.
Phthalate sind ein Beispiel von Weichmachern, deren Verwendung wegen ihrer gesundheitsschädlichen Auswirkungen mittlerweile von der Europäischen Union
verboten wurde.
Schimmelsporen
Durch moderne Materialien und ein Abweichen von traditionellen Bauweisen kommt es heute in vielen Wohnungen und Häusern zu einer ausgeprägten
Schimmelbildung. Allein die Verwendung von Kunststofftapeten hat den Nachteil, dass den Wänden die Atmungsaktivität genommen wird. Die undurchlässigen Tapeten versiegeln die Räume regelrecht. Da über die Wände kein Ausgleich der Luftfeuchtigkeit mehr stattfinden kann, kommt es sehr schnell zur
Bildung von Schimmel.
Die Sporen verteilen sich in der Raumluft und werden von den Bewohnern eingeatmet. Die
Mykotoxine, die durch Schimmelbildung entstehen, wirken immunsuppressiv, können das Erbgut und die Entgiftungsorgane wie Leber und Niere schädigen. Hautprobleme, allergische Reaktionen und Nervenschädigungen sind weitere Vergiftungserscheinungen, die durch Schimmel in der Wohnung auftreten können.
Ein großes gesundheitliches Problem stellen auch die Mittel dar, die bei Schimmelbefall in den Innenräumen zur Bekämpfung eingesetzt werden.
Pestizide
Nicht nur Weintrauben und anderes Obst und Gemüse sind durch
Pestizide belastet. Auch viele Textilien wie Bekleidung, Gardinen und Möbelbezugsstoffe werden mit Pestiziden behandelt, um Schadorganismen abzutöten. Es gibt eine lange Liste von Chemikalien, die als Pestizide bezeichnet werden. Der Kontakt mit Pestiziden kann weitreichende gesundheitliche Konsequenzen haben. Hauterkrankungen, Krebs, Schäden im Erbgut und Missbildungen bei Neugeborenen sind nur einige mögliche Folgen bei einer
Vergiftung des Organismus mit Pestiziden.
Vorsicht beim Einkauf für Renovierung und Umbau
Heute sollte jeder, der in seinem Wohnumfeld etwas
umbaut oder renoviert, dafür sensibilisiert sein, dass Materialien verwendet werden, die keine Schadstoffe an die Atemluft abgeben und auch nicht durch Hautkontakt gesundheitliche Probleme auslösen können. Heute gibt es ein großes Angebot an
ökologisch getesteten Dämmungen, Tapeten, Teppichen, Farben und Lacken. Auch bei Heimtextilien und Möbeln sollte auf die Schadstofffreiheit geachtet werden.
Große Gefahr in älteren Immobilien
Dichtungen, Dämmungen, Lacke und Kleber sind nur einige von den Bauprodukten, die vor allem in
älteren Gebäuden die Gefahr bergen, dass sie noch nach Jahrzehnten flüchtige organische und andere giftige Stoffe an die Atemluft abgeben.
Bei der Behandlung von Hölzern wurde früher auch in Innenräumen nicht auf etwaige schädliche Ausdünstungen geachtet. Bei der Kaufentscheidung für ein älteres Haus sollte unbedingt auf
eventuelle gesundheitliche Gefährdungen geachtet und eine professionelle Schadstoffuntersuchung veranlasst werden.
Was gibt es bei Neubauten zu beachten?
Wer neu baut, kann heute bewusst entscheiden,
nur ökologisch unbedenkliche Materialien für das zukünftige Zuhause zu verwenden. Durch die heute übliche starke Dämmung trocknet der Neubau nicht so schnell aus, wie das bei der früheren Bauweise der Fall war. Es ist jedoch wichtig,
ausreichend Zeit für das Austrocknen einzuplanen, damit nicht vom Zeitpunkt des Bezuges an Schimmelsporen die Bewohner des Hauses belasten.
Bauexperten raten dazu, den Neubau etwa
sechs Wochen gründlich auslüften zu lassen, ehe der Einzug stattfindet.
Naturdämmstoffe, giftfreie Farben, ökologisch getestete Textilien und Echtholzmöbel sorgen für ein
gesundes Raumklima. Bei den Fußbodenbelägen gelten Linoleum, Böden aus Kork und unbehandelten Naturfasern als unbedenklich für die Gesundheit.
Expertenrat einholen
Wenn der Verdacht besteht, dass durch
giftige Ausdünstungen im Haus oder in der Wohnung die Bewohner gesundheitliche Beschwerden entwickeln, sollte der Rat eines
Baubiologen oder Sachverständigen eingeholt werden. Die Experten analysieren die eventuell vorhandenen Gerüche, Schadstoffe und Gifte durch Messungen der Raumluft. Um die Schadstoffquellen zu ermitteln, werden auch Materialproben untersucht.
Das Ziel einer umfassenden
Wohngiftmessung ist, die Quellen der Schadstoffbelastungen ausfindig zu machen. Der Experte erstellt ein Gutachten, das für den Auftraggeber auch entsprechende Handlungsanweisungen enthalten sollte, um die Schadstoffbelastung abzustellen. Allerdings sollte man sich, bevor der Auftrag für eine Messung eventueller Wohngifte vergeben wird, über den tatsächlich geleisteten Umfang der Prüfung informieren und Kostenvoranschläge anfordern.
Fazit
Für jeden Haus- und Wohnungsbesitzer oder Mieter ist es wichtig zu wissen, dass er und seine Familie
nicht in einem krankmachenden Umfeld leben. Deshalb empfiehlt es sich, die Ausstattung der Wohnräume
kritisch unter die Lupe zu nehmen. Bei Verdachtsfällen kann ein
Gutachten Klarheit bringen. Stellen sich Möbel, Wandfarben, Bodenbeläge oder andere Materialien als schadstoffbelastet heraus, kann ganz gezielt für einwandfreie Wohnbedingungen gesorgt werden.