Ihr schönes Klavier klingt reichlich verstimmt und der Klavierstimmer senkt den Daumen. Nur eine Klavierrestauration kann das Instrument jetzt noch retten. Doch wann lohnt diese sich?
Zwei wesentliche Gründe für eine Klavierrestauration
Ob die
Restaurierung eines Klaviers oder Flügels sinnvoll ist, hängt zunächst einmal von Ihren persönlichen Motiven ab. Geht es Ihnen um die
Optik oder in erster Linie um die
Akustik? Manche Menschen schätzen ihr Klavier aus der Jugendstil- oder Gründerzeitepoche alleine schon deshalb, weil es hervorragend zur Innenausstattung passt. Wenn hier im buchstäblichen Sinne der Lack ab ist, reicht eine fachmännische Instandsetzung der Oberfläche.
Eine
akustische Generalüberholung ist hingegen weitaus aufwendiger und kostspieliger. Sie beinhaltet in der Praxis häufig einen kompletten Neuaufbau des Instruments. Der Restaurateur ersetzt eine Vielzahl der Bauteile durch neue Komponenten. Angesichts der anfallenden Arbeitsstunden und Kosten für die Ersatzteile kann solch eine
Klavierrestauration schnell etliche tausend Euro verschlingen. Dann stellt sich in der Tat die Frage, ob sich die Renovierung finanziell überhaupt lohnt, denn für einen vergleichbaren Preis bekommen Sie möglicherweise bereits ein vollwertiges Neugerät.
Welchen Wert besitzt mein Klavier?
Machen Sie am besten die Probe aufs Exempel. Sie können sich im Internet einen ersten Überblick verschaffen, zu welchen Preisen Ihr Modell heute gehandelt wird. Um eine möglichst präzise Einschätzung zu bekommen, empfiehlt sich jedoch der
Gang zum Fachmann.
Sobald Sie den Verkaufswert Ihres Klaviers kennen, bitten Sie einen Restaurateur um einen
Kostenvoranschlag. Kostet Sie die Restaurierung 10.000 Euro und der Wert des Instruments beziffert sich auf 20.000 Euro, lohnt sich der Aufwand. Ist das Verhältnis genau umgekehrt, zahlen Sie am Ende drauf. Dann muss das Klavier schon einen
sehr hohen ideellen Wert für Sie besitzen, um die Restauration zu rechtfertigen. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn es sich um ein Erbstück oder um ein historisch bedeutsames Klavier handelt.
Sind alte Klaviere nicht grundsätzlich wertvoll?
Das
Baujahr eines Klaviers wirkt sich nur bedingt auf den Wert des Instruments aus. Viel wichtiger ist der Markenname und die damit verbundene Qualität. Handelt es sich um namhafte Hersteller wie
Steinway, Schimmel oder Ibach, können die Klaviere nach wie vor einen
hohen Wiederverkaufswert besitzen. Bei guten Pianos spielt es auch keine Rolle, ob das Instrument um 1920 oder 1980 gebaut ist. Umgekehrt fällt die Wertsteigerung nach einer Restauration bei einem unbekannten Fabrikat eher bescheiden aus. Der Aufwand lohnt sich also in den seltensten Fällen.
Kann ich nicht Geld sparen und die Restaurierung selbst durchführen?
Einige
kosmetische Korrekturen am Holz sind von einem handwerklich versierten Laien durchführbar. Doch bereits die fachgerechte Neupolitur mit Schellack dürfte viele Heimwerker überfordern. Zudem sollten Sie im Blick behalten, dass bei einem Klavier auch der Holzkorpus zum Klangkörper dazugehört. Tauschen Sie hier ein Stück marodes Holz gegen ein neues Teil aus, kann sich die komplette Akustik verändern.
Sobald jedoch der Austausch von
Stimmbock, Resonanzboden oder Tastatur ansteht, kann nur noch ein Fachmann weiterhelfen. Mit dem bloßen Einbau ist es nämlich nicht getan: Die exakte Justierung entscheidet darüber, ob das Instrument seinen typischen Klangcharakter wiedererlangt. Um dies zu erkennen, benötigt man ein entsprechend
geschultes Gehör und viel Erfahrung im Instrumentenbau.
Ist denn bei jedem Klavier eine Restaurierung möglich?
Grundsätzlich lässt sich jedes Klavier wieder auf ein klangliches und optisches Niveau bringen, das
frei von Mängeln ist und im Idealfall einem Neugerät entspricht. Ein Vorteil ist, dass Klaviere und Flügel vornehmlich aus Holz bestehen. Dieser Werkstoff ist unter normalen Umständen lange haltbar und flexibel. Sollte Ihr Klavier jedoch witterungsbedingt vollkommen marode sein, ist natürlich fraglich, ob eine Generalüberholung Sinn macht. In diesem Fall müsste der Restaurateur vermutlich
alle Teile austauschen.
Wenn das Klavier allerdings eine
gute Grundsubstanz besitzt, ist eine Prüfung des Instruments durch einen Restaurateur auf jeden Fall empfehlenswert. Lassen Sie sich dabei aber nicht zu sehr vom äußeren Eindruck täuschen. Das Gehäuse mag noch so edel glänzen und schön furniert sein – über die Qualität des Klaviers sagt diese Tatsache nichts aus. Ist die
Instrumentenmechanik hinüber, kann die Restaurierung Sie teuer zu stehen kommen.
Wie kann ich erkennen, welche Reparaturen notwendig sind?
Als Laie können Sie kaum beurteilen, welche Restaurierungsmaßnahmen im Detail erforderlich sind. Um die Befragung eines Experten kommen Sie also nicht herum. Sie können sich allerdings vorab einen Eindruck vom Gesamtzustand des Klaviers verschaffen, um bei den Gesprächen mit dem beauftragten Restaurateur gezielter nachzufragen, denn es gibt bei einem Klavier einige Verschleißteile, die typischerweise im Laufe der Jahre Probleme bereiten.
Risse im Resonanzboden
Zunächst sollten Sie sich den
Resonanzboden näher anschauen. Stellen Sie dort im Boden oder am Steg Risse fest? Dieser Defekt lässt sich zwar reparieren, kommt jedoch einem Motorschaden bei einem Auto gleich, denn der Restaurateur muss das gesamte Instrument auseinanderbauen, um die Risse zu beseitigen. Er entfernt dazu zum Beispiel die Eisenplatte und die Saiten. Beim Zusammenbau kann er die alten Saiten allerdings nicht mehr verwenden. Folglich müssen Sie damit kalkulieren, dass er Ihnen zusätzlich einen kompletten Saitenbezug sowie neue Stimmwirbel in Rechnung stellt.
Fehlender Stegdruck
Ein zweiter wichtiger Punkt bei einem Klavier ist die Frage, ob der Resonanzboden noch genügend
Stegdruck entwickelt. Bei ausreichendem Stegdruck ist der Boden leicht gewölbt, bei mangelndem Druck entsprechend abgeflacht. Ohne passenden Stegdruck mangelt es den Klängen an Dynamik. Das Piano kann den Ton darüber hinaus nicht mehr so lange halten, wie es normalerweise vorgesehen ist.
Saiten, Stimmwirbel und Hämmer
Wenn die
Wirbel nicht fest im Stimmblock sitzen, können sie die Stimmung nicht halten. Mit anderen Worten: Ein Klavierstimmer rackert sich jedes Mal vergeblich ab, weil das Klavier binnen kurzer Zeit wieder die Tonlage verändert. Auch ein
Saitendraht kann altern. Er verliert dann zunehmend an Elastizität. Das Klavier klingt taub. Zudem leidet das Obertonspektrum.
In welchem Zustand befinden sich die
Hämmer? Sind die Köpfe stark abgenutzt? Gegebenenfalls reicht es aus, wenn der Restaurateur sie abzieht und neu intoniert. Die Sache verteuert sich, wenn er sie komplett ersetzen muss.
Die Filze dämpfen nicht mehr, die Mechanik klemmt
Wenn das Klavier häufig in Gebrauch gewesen ist, verlieren die
Filze unter den Tasten zunehmend ihre Dämpfung. Dies kann beim Spielen recht ärgerlich sein. Ein untrügliches Zeichen hierfür ist das seitliche Spiel der Tasten. Je mehr sie sich bewegen, umso wahrscheinlicher ist ein Verschleiß.
Solche Filzstücke sind auch an den beweglichen Teilen der Mechanik angebracht. Sie scheuern mit der Zeit ebenfalls durch, wodurch die Spielweise etwas wackliger gerät. Darüber hinaus können die Achsen der Mechanik verklemmen oder sich lösen. Im schlimmsten Fall funktionieren dann einige Dinge überhaupt nicht mehr.
Fazit
Die fachmännische Aufarbeitung von Resonanzboden oder Stimmstock ist besonders kostspielig. Sollten diese Teile reparaturbedürftig sein, lohnt sich die
Klavierrestauration in den meisten Fällen nicht. Ausnahmen stellen hier allenfalls hochwertige Markeninstrumente dar, die über einen hohen Verkaufswert verfügen.
Bei einer
kompletten Instandsetzung aller anderen Klaviere muss sich der Besitzer darüber im Klaren sein, dass die Maßnahmen kaum den Marktwert steigern. Dies trifft auch auf Klaviere zu, die älter als 100 Jahre sind. Sollte es sich jedoch um andere Reparaturen handeln, können sich die Kosten durchaus in einem überschaubaren Rahmen bewegen. Hier lohnt mitunter eine Restaurierung, sofern Sie für ein neues Klavier deutlich mehr investieren müssten.
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