Ultra-HD oder Full-HD: Für welche Technik entscheide ich mich beim Kauf eines neuen Fernsehgerätes?
Beeindruckendes Format, viele Bildpunkte und ziemlich teuer: Ultra-HD-Displays sind der neueste Stand der TV-Technik. Für wen sich die Investition in eine Hightech-Mattscheibe heute schon lohnt, verrät der folgende Artikel.
Ultra-HD: die Zukunft im Wohnzimmer?
Der Übergang zu Full-HD dürfte in bundesdeutschen Haushalten noch nicht einmal komplett vollzogen sein, schon gibt es die nächste Generation von Flachbildschirmen. Fernseher und Monitore mit Ultra High Definition (kurz: UHD oder Ultra-HD) haben eine noch höhere Auflösung, die auch bei extrem großen Displays gestochen scharfe Bilder liefern soll.
Auf Elektronikmessen wird die neue Technologie von den großen Markenherstellern gekonnt in Szene gesetzt. Auch der Einzelhandel wirbt für die teuren UHD-Geräte – besonders gern im Umfeld großer Sportereignisse oder beim Erscheinen der neuesten Blockbuster auf Blu-ray. Bei Live-Übertragungen und Action-Kino soll das Mittendrin-Gefühl mit UHD intensiver als je zuvor sein.
Aber lohnt sich der hohe Preis für einen Fernseher mit Ultra-HD-Auflösung wirklich?
Der nüchterne Vergleich: Ultra-HD vs. Full-HD
Die Angaben zu Ultra-HD machen Eindruck: 3840 mal 2160 Bildpunkte – das sind viermal mehr als bei Full-HD. Deshalb wird UHD bisweilen auch als 4K bezeichnet. Allerdings kann das auch für Verwirrung sorgen, denn die Abkürzung 4K wird schon seit längerer Zeit auch für die Bildqualität von Kinofilmen verwendet und steht dort für eine noch höhere Auflösung von 4096 x 2160 Pixeln.
Full-HD muss sich mit seinen 1920 mal 1080 Bildpunkten eindeutig geschlagen geben.
In der Theorie bedeutet die höhere Auflösung deutlich schärfere Bilder, die wie „aus einem Guss“ wirken. Denn selbst aus der Nähe sind die einzelnen Bildpunkte fast nicht mehr zu erkennen.
Bis auf die höhere Auflösung unterscheiden sich Ultra-HD und Full-HD allerdings kaum. Das gilt insbesondere für die Bildwiederholrate: Diese liegt in beiden Fällen bei 60 Hertz, es werden also 60 Bilder pro Sekunde dargestellt – mehr als ausreichend für ein flüssiges Bild.
Ultra-HD und Full-HD in der Praxis
Weil das Bild bei Ultra-HD deutlich feiner ist, kann der Abstand zwischen Zuschauer und Display reduziert werden.
In Praxistests hat sich herausgestellt, dass der optimale Sitzabstand zu einem UHD-Fernseher nur das 1,5-fache der Displayhöhe beträgt, bei Full-HD-Geräten dagegen das Dreifache.
Bei gleicher Displaygröße sollte sich ein Full-HD-Fernseher also doppelt so weit vom Zuschauer entfernt befinden wie ein Ultra-HD-Fernseher, damit das Bild möglichst scharf wirkt. Für einen UHD-TV mit 100 Zoll beziehungsweise etwa 250 cm Bilddiagonale entspricht das einem Abstand von circa 2 Metern. Wenn die Auflösung „nur“ Full-HD beträgt, verdoppelt sich der optimale Sitzabstand auf 4 Meter.
Was bedeutet das für den Zuschauer?
Zum einen: Ultra-HD erlaubt es, auch in kleineren Wohnzimmern riesige Displays unterzubringen, da die Zuschauer näher an das Bild heranrücken können. Damit steigt das Mittendrin-Gefühl tatsächlich an. Denn sobald die Ränder des Displays nicht oder kaum noch sichtbar sind, nimmt das Gehirn das Fernsehbild als Teil der Realität wahr. Das wurde früher in den IMAX-Filmtheatern ausgenutzt, bei denen die Zuschauer sehr nah vor einer gigantischen Leinwand saßen. Die Folge war ein beeindruckender 3D-Effekt – und das ohne Brille.
Dieser Effekt lässt sich mit Ultra-HD nun auch zu Hause erzeugen. In Verbindung mit passenden 3D-Filmen lässt er sich sogar noch weiter steigern.
3D-Filme in Kinoqualität mit Ultra-HD
In Kinos kommt die so genannte Polarisations-Technik bei 3D-Filmen zum Einsatz. Hier wird der Film im Grunde zweimal auf die Leinwand geworfen, und zwar leicht versetzt. Das sieht man, wenn man einen 3D-Film ohne passende Brille betrachtet – das Bild wirkt unscharf. Die 3D-Brille dient dazu, die beiden überlagerten Bilder wieder zu trennen: Jedes Auge erhält ein eigenes Bild und daraus entsteht ein räumlicher Eindruck.
Das 3D-Bild wirkt zwar mit der Polarisations-Technik sehr plastisch und scharf. Aber da für den 3D-Eindruck zwei Bilder gleichzeitig angezeigt werden müssen, steht für jedes einzelne Bild nur die Hälfte der Gesamtauflösung zur Verfügung. Im Kino ist das kein Problem – hier sind 4K-Auflösungen schon seit Jahren etabliert.
Bei Full-HD-Fernsehern wird es aber schon wieder knapp. Aus einer Gesamtauflösung von 1920 mal 1080 Bildpunkten werden dann nur mehr 960 x 1080 Pixel. Darum kamen bisher hauptsächlich mechanische Shutter-Brillen zum Einsatz, bei denen immer nur ein Auge das Bild zu sehen bekommt. Der 3D-Effekt entsteht auch auf diese Weise mit nur einem Bild in Full-HD. Aber Shutter-Brillen sind leider auch schwer, teuer und recht unbequem. Sie arbeiten außerdem nicht exakt, was zu seltsamen „Geisterbildern“ führt – dem sogenannten Crosstalk.
Ultra-HD hat dagegen eine so hohe Auflösung, dass die Polarisationstechnik aus dem Kino verwendet werden kann. Es ist wirklich 3D wie auf der großen Leinwand, gestochen scharf und ohne Verzerrungen – inklusive der leichtgewichtigen und technisch einfachen 3D-Brillen. In Verbindung mit einem großen Ultra-HD-Display werden 3D-Filme so zum absoluten Erlebnis.
Das Hauptproblem von Ultra-HD: die fehlenden Inhalte
Bei 3D-Filmen bietet Ultra-HD also schon jetzt greifbare Vorteile. Dadurch, dass zweimal ein Full-HD-Bild dargestellt werden kann, lässt sich die beschriebene Polarisations-Technik mit all ihren Vorteilen verwenden.
Aber 3D-Filme sind schließlich nicht das Einzige, das über die Mattscheibe flimmern soll. Was ist mit Sportübertragungen, Serien, Dokus, also dem ganz normalen Fernsehprogramm?
Die Wahrheit ist: Es gibt noch keine Fernsehausstrahlung in Ultra-HD. Viele Fernsehsender haben erst kürzlich den Übergang zu Full-HD abgeschlossen. Flächendeckend verfügbar werden UHD-Angebote, vorsichtig geschätzt, erst in fünf Jahren sein.
Es gibt auch noch keine geeigneten Speichermedien. Die Blu-ray ist auf Full-HD ausgelegt und bietet damit genug Platz für einen Spielfilm mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Bildpunkten. Eine viermal so hohe Auflösung würde den Speicherplatz sprengen. Es ist noch nicht absehbar, wann Medien mit höherer Speicherdichte verfügbar sein werden. Viele Hersteller schwören auf Video on Demand und Fernsehen via Internet. Aber erstens bräuchte man dafür eine sehr schnelle DSL-Verbindung (um die 20 Mbit/s) und zweitens, man ahnt es, gibt es auch noch keine entsprechenden Angebote.
Schließlich gibt es noch ein Problem: Die aktuell verbreiteten Anschlüsse, über die Blu-ray-Player und Fernseher verbunden werden, können die hohe UHD-Auflösung gar nicht übertragen.
Weitere Schwierigkeiten: fehlende Anschlüsse
Der weit verbreitete HDMI-Anschluss wurde, ganz wie die Blu-ray, auf Full-HD-Filme zugeschnitten. Bis vor kurzem war auch er mit Ultra-HD schlicht überfordert.
Erst im September 2013 wurde HDMI 2.0 vorgestellt, womit sich die 3840 mal 2160 Bildpunkte mit 60 Bildern pro Sekunde nun auch vom Abspielgerät zum Fernseher übertragen lassen. Nach und nach dürfte HDMI 2.0 in der Multimediawelt Einzug halten – bei Blu-ray-Playern, HD-Recordern und als Anschluss für PCs und Notebooks. Möglicherweise haben sich ein paar Jahren Anschlüsse, Speichermedien und Filmangebote für Ultra-HD etabliert. Sicher ist es allerdings nicht.
Die Vorteile von Ultra-HD bei der Wiedergabe von HD-Programmen
Warum überhaupt auf UHD umsteigen, wenn es kaum Material dafür gibt?
Auch „normales“ HD-Material sieht auf Ultra-HD-Displays sehr gut aus. Durch ausgefeilte Techniken skalieren Ultra-HD-Fernseher Full-HD-Bilder auf die vierfache Größe hoch. Das machen sie so gut, dass man der Unterschied zwischen „echten“ Ultra-HD-Bildern und solchen in Full-HD kaum erkennen kann. Damit sehen auch Filme von einer Blu-ray noch einmal ein klein wenig besser aus, wenn sie auf einem UHD-Display angezeigt werden.
Fazit: Für wen lohnt sich ein Ultra-HD-Gerät?
Die Hersteller lassen sich die viermal höhere Auflösung von UDH-Geräten derzeit teuer bezahlen.
Blicken wir einmal zurück auf die Entwicklung bei den HD-Fernsehern: Gut fünf Jahre hat es vom fünfstelligen Euro-Betrag bis zu den Discounter-Angeboten im Supermarkt zwischen Dosengerichten und Kosmetik gedauert. Einen ähnlichen Verlauf kann man auch bei den Ultra-HD-Geräten erwarten. Abhängig davon, ob in nächster Zeit passende Angebote aufkommen werden, kann es auch schneller gehen. Denn nur dann werden viele Leute bereit sein, den Aufpreis für ein Ultra-HD-Gerät zu zahlen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Wer einen großen Fernseher für ein kleines Wohnzimmer möchte und/oder gerne 3D-Filme daheim anschaut, für den kann ein Ultra-HD-Fernseher auch heute schon interessant sein. Für alle anderen macht es mehr Sinn, sich für ein Viertel des Preises mit einem Viertel der Auflösung zufrieden zu geben und einen großen Full-HD-Fernseher zu kaufen. Das gesparte Geld kann zum Beispiel in eine Soundanlage fließen – die dann ihren Teil zum Film- und Fernsehvergnügen beiträgt.
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