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Wiesbadener Kurier

Tischler – Ein Handwerk mit Liebe zum Detail

Geschrieben von Stefan Franke

TischlerEine andere, regional geprägt Berufsbezeichnung für den Tischler lautet Schreiner. Tischler oder Schreiner ist ein handwerklicher und gleichzeitig kreativer Beruf, bei dem der Umgang mit Holz im Mittelpunkt der Arbeit steht. Den Kern des Aufgabengebietes bildet die Herstellung von Türen, Rahmen oder Möbelstücken. Kunden wenden sich in der Regel dann an einen Tischler, wenn sie alte Möbel aufgewertet oder ein neues Möbelstück individuell als Unikat gefertigt haben wollen.

Die Geschichte des Berufes

Tischler ist eines der ältesten Handwerksberufe der Welt. Schon die alten Ägypter fertigten noch vor Beginn unserer Zeitrechnung Möbelstücke aus Holz und besaßen spezifische Kenntnisse in der Verarbeitung dieses Rohstoffes. Um Christi Geburt wurden die Techniken in der Holzverarbeitung von den Römern weiterentwickelt. Im 12. Jahrhundert waren bereits spezielle Personengruppen für Holzarbeiten zuständig.

Im 13. Jahrhundert gab es dann erstmals die Tischlerzunft, unter der jedoch noch mehrere Berufsgruppen wie die heutigen Tischler oder Zimmerer zusammengefasst waren. Das Tischlereihandwerk wurde nicht mehr nur als praktische handwerkliche Tätigkeit, sondern zunehmend als Kunstform wahrgenommen. Tischler ist noch heute eines der beliebtesten Ausbildungsberufe, ein Beruf also mit Tradition. Schon früh waren Tischler für die Fertigung von Holzgegenständen wie Schränken, Treppen, Türen und Fenstern zuständig.

Der Aufgabenbereich eines Tischlers
Tischler
Tischler erledigen in aller Regel meist individuelle Aufträge und stellen nach Kundenwunsch Stühle, Tische oder Fensterrahmen in Einzelanfertigung her. Hier ist vor allem Maßarbeit gefragt und penibel genaues Arbeiten. Anbauwände oder Treppen müssen später genau in den Wohnraum des Auftraggebers passen. Ein wichtiger Aspekt der Arbeit ist daher auch die Beratung der Kunden. Schreiner müssen spezielle Kundenwünsche erkennen und praktisch umsetzen können – von der Treppe bis zur Tür.

Entsprechend des Kundenwunsches wird zunächst eine Skizze erstellt. In dieser Arbeitsphase kann sich der Tischler jederzeit noch mit dem Kunden über Änderungswünsche abstimmen. Er muss jetzt auch die richtige Holzart wählen und entscheiden, ob massives Holt benötigt wird oder evtl. auch die günstigeren Spanplatten verwendet werden können.

Der Arbeitsplatz eines Tischlers befindet sich heute nicht mehr ausschließlich an der Werkbank. Tischler benötigen PC-Kenntnisse und müssen sich in branchenspezifischer Software auskennen. In der Regel werden die handgefertigten Skizzen im Anschluss in ein Computerprogramm übertragen, welches ein digitales Modell des zu fertigenden Stückes erstellt. Dadurch können Kunden schon vorab sehen, ob das Resultat ihren Vorstellungen entspricht, bevor mit der eigentlichen Tischlerarbeit begonnen wird.

Bei der Umsetzung der gefertigten Pläne ist handwerkliches Geschick gefragt. Die groben Tischlerarbeiten können zwar weitgehend von Maschinen übernommen, jedoch muss die Feinarbeit immer noch per Hand erledigt werden. Die Fertigung von Verzierungen, kleinen Löchern, Schlitzen und Vertiefungen für passgenaue Einzelteile ist Präzisionsarbeit, die ausschließlich vom Tischler selbst erledigt werden kann. Auch Verleimungen oder die Montage von Griffen können nicht maschinell getätigt werden. Tischler übernehmen in der Regel auch die Montage und den Einbau der hergestellten Stücke. Sie verlegen Parkettböden, passen Schränke ein und rahmen Fenster neu. Des Weiteren veredeln oder reparieren Tischler auch liebgewonnene Möbelstücke.

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Der Arbeitsplatz eines Tischlers

TischlerTischler arbeiten in der Regel in kleinen Handwerksbetrieben oder für größere Möbelhersteller. Auch in Baumärkten oder sogar im Theater für die Herstellung eines Bühnenbildes finden sie Anstellung. Sie arbeiten nicht ausschließlich mit Holz sondern müssen auch gelegentlich andere Werkstoffe wie Glas oder Kunststoff in ihre Arbeit integrieren. Ihre Werkzeuge sind hauptsächlich Hobel, Sägemaschinen oder Fräsen. Im Zuge der wachsenden Umweltschutzbestimmungen müssen sie sich zunehmend auf ökologische Materialien insbesondere biologisch abbaubare Klebstoffe einstellen.

Wer Tischler werden möchte, muss sich darauf einstellen, oft in unbequemer gebeugter Haltung im Stehen zu arbeiten. Tischler sind nicht nur in Werkstätten sondern auch beispielsweise in Werkhallen tätig. Dort kann es durch die Maschinen zu unangenehmem Vibrationen und Umgebungslärm kommen.

Tischler müssen oftmals Schutzkleidung tragen. Sie sind durch die Holzbearbeitung Staub, Dämpfen und Bindemitteln ausgesetzt. Sie müssen sehr sorgsam arbeiten und präzise die Arbeitsschutzvorschriften einhalten, da durch die Arbeit an Sägen und anderen Maschinen bei Unachtsamkeiten schnell Unfälle passieren können.
Oft ist eine enge Zusammenarbeit mit Architekten gefragt, wenn Tischler Gegenstände nach vorgefertigten Plänen fertigen müssen.

Berufliche Spezialisierungsmöglichkeiten

Tischler haben zahlreiche Möglichkeiten, sich beruflich weiterzuentwickeln. Spezialisierungsberufe sind beispielsweise Bautischler, Bühnentischler, Kunsttischler oder Messebauer. Naheliegend für einen Tischler ist es, zunächst die Meisterprüfung abzulegen und einen eigenen kleinen Handwerksbetrieb zu eröffnen. Des Weiteren haben Tischler auch die Möglichkeit, an einer Hochschule einen Abschluss im Fachgebiet Holztechnik zu erlangen.

Persönliche Eignungen eines Tischlers

Tischler benötigen für ihren Arbeitsalltag vor allem räumliches Vorstellungsvermögen. Sie sollten kreativ sein und gerne handwerklich arbeiten. Kreativität ist dann gefragt, wenn Kunden keine spezifischen Wünsche haben, sondern auf die Vorschläge und Entwürfe des Tischlers angewiesen sind. Sie müssen außerdem für die Arbeit am Computer technisches Verständnis mitbringen und für die Anfertigung von Skizzen zeichnerisch begabt sein. Da es auf Genauigkeit und Präzision ankommt, sind gute mathematische Kenntnisse für einen Tischler unverzichtbar.

Für die Arbeit im Team müssen Tischler verlässlich sein und eigenverantwortlich handeln. Auch und vor allem für den Umgang mit Kunden sollten sie ein positives Sozialverhalten mitbringen. Da Holz ein organischer Werkstoff ist, müssen Tischler sich auf dessen individuellen Eigenschaften flexibel einstellen können.

Perspektiven und Zukunftsaussichten für das Berufsbild

TischlerAuf der einen Seite gibt es mittlerweile in jeder größeren Stadt Möbelhäuser, die eine große Auswahl an Holzmöbeln in ihrem Sortiment anbieten. Herstellung und Verkauf der Möbel verläuft standardisiert über Kataloge. Jeder Tisch und jeder Stuhl wird anhand einheitlicher Normen tausendfach maschinell hergestellt. Anders als in kleinen Tischlereien müssen die Möbelstücke nicht erst gefertigt, sondern können vom Kunden meist direkt ins Auto geladen und mitgenommen werden.

Auf der anderen Seite steigt im Angesicht dieser Entwicklung auch wieder der Wunsch nach Individualität. Menschen möchten zunehmend nicht mehr nur standardisierte Möbel um sich haben, sondern individuelle Vorstellungen verwirklichen können. Auch steigen die Anforderungen an die Qualität der Möbel wieder. Tischler werden langfristig diese individuellen Wünsche von Kunden verwirklichen können. Ihre Arbeit, vor allem in der Präzisionsarbeit kann auch langfristig nicht von Maschinen übernommen werden.

Bildquellen:
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