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Wiesbadener Kurier

Bestattungen – Erdbestattung, Feuerbestattung & andere Möglichkeiten

Geschrieben von Anne Garske

Die Bestattung – wohin die letzte Reise geht

Grabstein für BestattungWir wissen es. Wissen es, seitdem wir wissen, dass wir leben: Eines Tages ist es vorbei. Eines Tages müssen wir uns darüber Gedanken machen, dass die Welt sich weiterdreht, auch wenn wir nicht mehr da sind. Und was aus unserem Körper, der uns treu durch das Leben getragen hat, werden soll. Bei vielen Menschen, gerade im gehobenen Alter, kommen in dieser Phase des Lebens neue „Unwörter“ auf. Sie sagen Dinge wie „Ich will niemandem zur Last fallen“ und „Ich will keine Umstände machen.“

Sie vergessen, dass die Angehörige sehr gern diese „Last“ tragen würden, um für einen geliebten Menschen einen letzten Dienst versehen zu können. Dass eine Bestasttung immer auch ein Abschied ist, eine Zeit, die man braucht, um zu verstehen, dass die Welt um einen Menschen ärmer geworden ist und um diesem Menschen eine gute Reise wünschen zu können, vergessen viele, die nicht zur „Last“ fallen wollen.

Bestattungen wurden schon vor 90.000 bis 120.000 Jahren vorgenommen und in den unterschiedlichen Kulturkreisen mit verschiedenen Ritualen begleitet. Auch heut noch besteht eine Beerdigung zu guten Teilen aus Ritualen, sei es die Totenrede, der Abschied am offenen Sarg oder der Grabstein an sich, viele Bestandteile sind kulturell festgelegt. Des Weiteren bestimmt auch die Religion maßgeblich, wie die Beerdigung ausfällt. Bei einer christlichen wird beispielsweise in den meisten Fällen eine Erdbestattung auf geweihter Erde vorgenommen, eine jüdische und islamische Beerdigung findet ebenfalls ausschließlich als Erdbestattung statt und eine hinduistische ausschließlich als Feuerbestattung, hier in Europa in einem Krematorium, in Asien in Form einer öffentlichen Verbrennung.

Wer eine Bestattung außerhalb religiöser Bestattungsregeln, also eine weltliche Bestattung, vorzieht, hat mehrere „Auswahlmöglichkeiten“, die von der Körperspende über die Plastination bis zur Seebestattung reichen.

Die Erdbestattung

In Deutschland ist es gesetzlich festgelegt, dass eine Erdbestattung ausschließlich in einem Sarg zu erfolgen hat. Da manche Religionen, wie beispielsweise der Islam, vorschreiben, dass der Verstorbene in Leinentüchern begraben wird, sind hier Ausnahmen aus religiösen Gründen möglich.

Eine Erdbestattung kann sowohl im Einzel- als auch im Familiengrab stattfinden, manche wählen sogar das anonyme Grab, beispielsweise um ihren Angehörigen Pflege zu ersparen. Gewählt werden kann zwischen einem Reihengrab, bei dem eine Verlängerung der Ruhezeit meist nicht möglich ist und ausschließlich eine Einzelbestattung erfolgen kann, und einem Wahlgrab, wo mehrere Verstorbene beigesetzt werden können und auch die Ruhezeit verlängerbar ist. Zur Kennzeichnung der Grabstelle werden in der Regel Grabsteine oder Holzkreuze verwendet.

Diese Ruhezeit ist mindestens 20 Jahre lang, unterscheidet sich aber von Friedhof zu Friedhof und sollte zuvor bei der Friedhofsordnung eingesehen werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Nutzung eines Rasengrabes, wenn die Pflege eines Grabes nicht durchführbar ist. Normales Gras überwächst den Grabhügel, höchstens Blumenkübel dürfen darauf abgestellt werden, Bepflanzungen sind nicht gestattet.

Eine Erdbestattung erfolgt auf einem Friedhof, da es in Deutschland den sogenannten „Friedhofszwang“ gibt. Das heißt, jedwede Leiche bzw. die Asche einer Leiche hat auf einem Friedhof beigesetzt zu werden.

Die Feuerbestattung

Während die Erdbestattung früher die üblichste Methode der Beisetzung war, hat dies mittlerweile die Feuerbestattung übernommen. Der Verstorbene wird dabei in einem Krematorium verbrannt, sodass nur noch seine Asche übrig bleibt. Diese kann dann auf verschiedene Arten beigesetzt werden.

Die üblichste Variante ist es, die Asche innerhalb einer Urne auf dem Friedhof zu beerdigen. Hierbei kann man, ebenso wie bei einer Bestattung mit Sarg, sowohl ein anonymes als auch ein „normales“ Grab mit Grabstein wählen, auch Rasengräber oder die Beisetzung in einer Urnenstele sind möglich.

Außerdem gibt es noch weitaus weniger übliche Varianten wie die Seebestattung, die trotz des Friedhofszwanges auch in Deutschland erlaubt ist. Dabei wird die Asche des Verstorbenen, in einer wasserlöslichen Urne liegend, in dafür vorgesehenen Gebieten dem Meer übergeben. Bedingungen sind, dass der Verstorbene zu Lebzeiten eine besondere Affinität zum Meer hatte und die Seebestattung ausdrücklich erwünscht war.

In Holland ist außerdem eine Binnenseebestattung möglich. Wer nicht im See, dafür aber auf einer Almwiese die letzte Ruhe finden möchte, kann dies in der Schweiz tun, in der es, wie in Holland, keinen Friedhofszwang gibt.

Nachteile von exotischen Bestattungen ohne festen Ort

Natürlich bergen diese Formen der Bestattung den Nachteil, dass die Angehörigen keinen Ort haben, zu dem sie in ihrer Trauer gehen können, um dem Verstorbenen nahe zu sein.

Der Friedwald – Bestattung in der Natur

Wer naturverbunden bestattet werden möchte, seinen Angehörigen aber dennoch einen Platz des Abschieds ermöglichen möchte, kann auf die Baumbestattung in Friedwäldern zurückgreifen. Hierbei wird eine Urne unter den Wurzeln eines Baumes vergraben. Im Ausland ist dies auch ohne Urne möglich, sodass die Asche direkt mit der Erde in Berührung kommt und aus ihr wieder neues Leben erwachsen kann. Vorteil ist, dass dieses Grab nicht gepflegt werden muss.

Eine sehr kostengünstige Alternative ist die Aufbewahrung der Urne in einem Kolumbarium, einer Wandnische, die mit einem Deckel verschlossen wird. Über- und nebeneinander können so sehr viele Urnen zur letzten Ruhe gelegt werden. Wer auch ein greifbares Erinnerungsstück hinterlassen will, dass die Angehörigen immer bei sich tragen, hat auch die Alternative, aus dem in der Asche befindlichen Kohlenstoff Diamanten herstellen zu lassen. Diese können dann geschliffen und wie „normale“ Diamanten getragen werden.

Außergewöhnliche Bestattungsarten

Neben den üblichen Beerdigungsmethoden gibt es selbstverständlich auch noch etliche ungewöhnliche Arten der Bestattung.

Körperspende
Die kostengünstigste Variante ist die Körperspende, bei der die sterblichen Überreste an ein anatomisches Institut übergeben, zu Lehr- und Forschungszwecken verwendet werden und damit der Wissenschaft dienen. Nach mehreren Jahren wird der Körper auf Kosten des Instituts eingeäschert und beigesetzt. Mit einem Kostenaufschlag kann die Asche auch im Familiengrab beerdigt werden.

Eine Körperspende ist nur auf eigenen Wunsch des Verstorbenen möglich, eine schriftliche Erklärung dem anatomischen Institut gegenüber ist dabei unabdingbar. Zu bedenken ist hierbei, dass nicht jeder Körper angenommen wird, Unfallopfer und an Infektionskrankheiten leidende Körper sind ebenso ausgeschlossen wie einer Obduktion unterzogene oder bereits verwesende. Menschen unter 50 Jahren sollten allerdings lieber auf die Möglichkeit zurückgreifen, Organe zu spenden, diese sind weitaus wertvoller für die Wissenschaft.

Plastination
Eine weitere Möglichkeit, in die Ewigkeit einzugehen, ist die Plastination. Während die Seele schon längst im Nirwana weilt, wird der Körper mittels eine bestimmten Verfahrens konserviert und dann entweder zu Lehrzwecken an der Universität verwendet oder in einer öffentlichen Ausstellung wie beispielsweise „Körperwelten“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Wichtig ist hierbei: manche Institute nehmen Körper auch dann an, wenn der Verstorbene nicht eigens den schriftlichen Wunsch dazu geäußert hat, hier genügt die Versicherung der Angehörigen, dass es der Wunsch des Verstorbenen war.

Weltraumbestattung
Die wohl außergewöhnlichste Variante ist die Weltraumbestattung, bei der ein Teil der Asche mit einer Rakete in den Weltraum geschossen wird. Damit die Urnen keine Gefahr für zukünftige Weltraummissionen darstellen, wird eine niedrige bzw. gar keine Umlaufbahn gewählt, sodass die Kapseln kurz im Weltraum verweilen und dann mittels Fallschirm wieder auf die Erde zurückkehren. Hierbei kann es allerdings passieren, dass die Urnenkapsel verloren geht und erst Wochen später irgendwo auf der Erde wieder auftaucht – oder auch nie. Da nur ein Teil in den Weltraum gelangen kann, muss der Rest der Asche alternativ bestattet werden.

Das Testament – Ein letztes Wort zum letzten Willen

Die meisten Bestattungsarten erfordern den ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen – je nach Bestattungsart mal in schriftlicher, mal in mündlicher Form durch die Angehörigen. In jedem Fall ist es ratsam, eine Bestattungsverfügung zu hinterlassen, um einerseits den Verbliebenen die Entscheidung abzunehmen und andererseits zu gewährleisten, dass die Bestattung tatsächlich nach den eigenen Wünschen erfolgt.

Eine solche Verfügung sollte handschriftlich erfolgen, damit sie unzweifelhaft als echt erkannt werden kann. In gedruckter Form sollte sie vom Notar oder Hausarzt gegengezeichnet werden. Damit die Verbliebenen diesen letzten Wunsch auch erfahren, sollte die Verfügung an einem gut auffindbaren Ort hinterlegt werden. Entweder bei vertrauenswürdigen Personen oder an offensichtlicher Position in der eigenen Wohnung. Auch im Pfarramt und der Friedhofsverwaltung kann sie nach Absprache aufbewahrt werden. Legen Sie die Verfügung auf gar keinen Fall dem Testament bei, da dieses erst lange nach der Beerdigung geöffnet wird.

Eine Bestattungsverfügung ist noch aus einem weiteren, etwas erschreckenden Grund, ausdrücklich zu empfehlen: Wie oben bereits erwähnt, muss es keinen schriftlichen Wunsch des Verstorbenen geben, um zum Plastinat gemacht zu werden. Wer nicht als Ausstellungsstück in einer Messehalle enden und von zahllosen Menschen angestarrt werden will, sollte dies also unbedingt schriftlich kundtun.

Weitere Infos rund um Bestattungen und Beerdigungen findet man übrigens beim Bundesverband Deutscher Bestatter e.V..

Bildquelle:
pixelio / mara.l


Eine Antwort zu “Bestattungen – Erdbestattung, Feuerbestattung & andere Möglichkeiten”

  1. Felix sagt:

    Hallo,

    habe mir den Text sehr aufmerksam durchgelesen und wollte den Autor für diese mal loben. Sehr angenehm zu lesen und mit vielen lesenswerten Informationen.

    Weiter so!

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