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Wiesbadener Kurier

Fitnessstudios – Training im Namen der Gesundheit

Geschrieben von Anne Garske

Hantlen im FitnessstudioWenn man eine Sekunde darüber nachdenkt, stellt man schnell fest, dass es ein wenig lächerlich ist. Da mühen wir uns ab, immer neuere, immer schnellere und bessere Technik zu erfinden – und warum? Weil der Mensch faul ist.

Wozu haben wir das Auto erfunden? Um nicht von A nach B laufen zu müssen, sondern uns bequem auf den Sitz zu fläzen und hinzufahren.
Wozu haben wir Rolltreppen erfunden? Um uns nicht anstrengen zu müssen, die Höhenunterschiede zu überwinden. Und das Computerspiel? Um unsere Abenteuer nicht draußen in der Natur, sondern bequem daheim erleben zu können.

Die Paradoxie des Sport- und Fitnessgedankens

Dass wir Menschen uns in Arbeit stürzen, um weniger Arbeit zu haben, ist nur der eine paradoxe Teil, denn es kommt noch besser: um uns, nachdem wir uns all die Mühen erfolgreich erspart haben, fit zu halten, rennen wir ins Fitnessstudio, um uns dann doch noch zu quälen.

Unterm Strich haben wir also alles dafür getan, nichts tun zu müssen und, weil wir es geschafft haben, tun wir dann wieder alles dafür, mit Hilfe von Sport etwas für unseren vernachlässigten Körper zu tun. Ergebnis wären sonst verstärkte Zivilisationskrankheiten wie Herzinfarkt und Fettleibigkeit – also Krankheiten, die entstanden sind, weil wir uns so wenig bewegen.

Nun kann man die Zeit nicht zurückdrehen, was vielleicht auch der Grund der Erfindung von Fitnessstudios ist. Was wir verloren haben, nämlich den Zwang uns zu bewegen, versuchen wir durch die zusätzliche Erfindung des Sportclubs wieder wett zu machen. Mittlerweile hat sich daraus sogar die Sportart des Bodybuildings und damit eine ganze Szene entwickelt, die ohne Fitnessstudio nicht mehr denkbar wäre.

Geschichte des Fitnessstudios

Alles begann im alten Griechenland, in den Gymnasien, in denen die Olympioniken für das große Sportereignis trainierten. Meist befanden sich diese Gymnasien in freier Natur und, wie wir alle von den kräftigen Spartanern kennen, wurde ein allumfassender Körperkult gepflegt.

Mit den Jahrhunderten kam die Abneigung zum Sport, bis er verpönt war und es als armselig galt, sich zu bewegen. Warum? Um sich vom hart arbeitenden Bauernvolk abzugrenzen. Dick und blass galt als chic, zeigte es doch, dass man es sich leisten konnte, drinnen zu bleiben und so viel zu essen, wie man mochte.

Erst mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts änderte sich dies, die Wettkampfkultur entstand. Eine der Ursachen dafür war die großangelegte Ausgrabung des antiken Olympias 1875-1881, während es in Europa eine verstärkte Rezeption der Antike gab. Der Franzose Pierre de Coubertin erreichte, dass auch der olympische Gedanke eine Renaissance durchlebte: die Jugend sollte sich nicht mehr auf den Schlachtfeldern bekämpfen, sondern bei friedlichen Wettkämpfen feststellen, wer der Bessere ist. So fanden 1896 die ersten olympischen Spiele in Athen statt.

Auch in der bürgerlichen Bevölkerung hatte sich das Verständnis von Sport grundlegend verändert. Man wollte einen Ausgleich zur industrialisierten Umwelt schaffen, sich mehr an der frischen Luft bewegen und gesünder werden. Die Zeitung Kraft und Schönheit entstand und zeigte schon in ihrem Namen ein neues Verständnis von Schönheit: wer Kraft hat, ist auch schön! Spiel- und Sportstätten wurden für Schüler und Studenten errichtet, Wettkämpfe ausgetragen und Sport-Clubs gegründet.

Mit der Zeit des Nationalsozialismus steigerte sich der Fitnessgedanke in Deutschland ins Abnorme: nur noch der Stärkste konnte im darwinistischen Kampf überleben, arische Körperideale sollten herangezüchtet werden. Deutschland und die USA, bisher einig im Fitnessgedanken, entfernten sich voneinander.

Nach dem Krieg wandte man sich in Deutschland selbstverständlich komplett vom nationalsozialistischen Ansatz ab und erst viele Jahre später kam der Fitnessgedanke wieder zurück, importiert aus den USA. Ikonen wie Arnold Schwarzenegger tauchten auf und in den 60er und 70er Jahren etablierten sich die ersten Fitnessstudios.

Der richtige Boom kam jedoch erst in den 80ern, als die breite Masse die Fitnessstudios stürmte. Fitnessketten entstanden und das neue Körperideal verfestigte sich: war vor ein paar hundert Jahren noch blass und dick modern, galt nun schlank und braungebrannt als Ideal. Ein trauriger Nebengedanke, der da aufkommt: auch heute noch grenzen wir uns dadurch von der ärmeren Bevölkerung ab, denn der Besuch eines Fitnessstudios erfordert eine gut bezahlte Arbeit, die uns die Zeit lässt, unseren Körper zu trainieren und gegen Zivilisationskrankheiten zu stählen. Wer vierzehn Stunden am Tag für einen Hungerlohn arbeitet, hat ein Fitnessstudio wahrlich nicht nötig.

Doch warum gehen wir eigentlich ins Fitnessstudio?

Hier lassen sich drei Typen an Fitnessstudio-Besuchern bestimmen.

Der Bodybuilder:
Er geht ins Studio, um besser auszusehen. Von Außenstehenden spöttisch als „Pumper“ bezeichnet, geht es beim professionellen Bodybuilding um Ästhetik, also um das Aussehen eines muskelbepackten Körpers bei minimalem Körperfettanteil. Im Gegensatz zu anderen Sportarten, bei denen es um Taten geht, ist Bodybuilding eine Präsentationssportart und die Taten erfolgen lange vor dem Wettkampf. Bodybuilding ist mehr als Sport, es ist eine Körperkultur und Lebensart. Mehrmals im Jahr finden internationale Mega-Events statt, bei denen die Teilnehmer ihren Körper zeigen und nach Ästhetik, Symmetrie und Posing-Figuren bewertet werden.

Doch auch jene, die nicht Teil der Bodybuilding-Szene sind, können im weiteren Sinne in diese Gruppe gefasst werden, denn auch wenn der Körper nicht mit dem Ziel eines Wettkampf gestählt wird, geht es um Ästhetik und erst in zweiter Linie um Kraft. Ein “Sixpack” sieht einfach schön aus, und so stehen viele Männer mehrere Male die Woche an den Hanteln und formen ihren Bizeps.
Für diese Gruppe genügt die klassische „Mucki-Bude“, ohne Schnickschnack, ohne Wellness, möglichst rund um die Uhr geöffnet. Vorteil ist hier: man trifft auf viele Gleichgesinnte und auch der Wettbewerb innerhalb eines Fitnessstudios kann anspornen.

Der Abnehmwütige und Körperbewusste
Zu dieser Gruppe gehören meist Frauen. Sie haben einen oder zwei Schwimmringe zu viel auf den Rippen, wollen Bauch-Beine-Po Kurse besuchen und sich allgemein fitter fühlen. Oder aber sie sind bereits schlank, wollen es aber auch bleiben und durch Sport ihren Arbeitsalltag ausgleichen. Statt Hanteln nutzen sie meist Kurse, die Geräte zum Muskelaufbau und Ausdauergeräte. Ihr Ziel ist die Fettverbrennung, Körperstraffung aber auch die verstärkte Fitness im Alltag, kurz: ebenfalls die Schönheit, aber nicht nur mit dem Ziel, Muskeln aufzubauen, sondern Fett abzubauen und allgemeine Fitness zu erreichen.

Die idealen Fitnesstudios für diesen Typen sind die Fitnessketten. Sie bieten eine große Auswahl an Geräten und Kursen, sind für jeden zugänglich und damit auch ein sozialer Treffpunkt für Gleichgesinnte. In guten Studios werden die Sportler zusätzlich von Trainern betreut und erhalten eventuell sogar einen Ernährungsplan (Tipps zu Ernährung & Gewichtsabnahme finden Sie hier), um das Ziel des Fettabbaus auch an anderen Fronten anzupacken. Auch Sauna, Solarium, Yoga (weitere Infos zu Yoga finden Sie hier) und ein Wellness-Bereich können Teil des Angebotes sein, sodass ein optimales Wohlfühlergebnis gewährleistet ist.

Der Gesundheitssportler
Hier geht es also um Gesundheit. Der Betroffene hatte vielleicht einen Unfall oder leidet an Haltungsstörungen. Oft sind es auch Rückenschmerzen, die durch langes Sitzen, Verletzungen oder Abnutzungserscheinungen entstehen und die durch Sport und richtiges Training vermindert werden sollen.

In vielen Fällen schonen die Betroffenen die schmerzhaften Stellen, sodass sich dort automatisch Muskeln abbauen und es zu einer Schwächung der tiefen Rückenstreckmuskulatur kommt. Dadurch werden die Wirbelsäule und Gelenke noch weiter beansprucht, überlastet und weitere Schmerzen entstehen. In diesen Fällen ist ein „normales“ Fitnessstudio nicht zu empfehlen, denn die Trainer verfügen meist nicht über die passende medizinische Ausbildung, um diesen Prozessen entgegenwirken zu können.

Wer auch nicht zum Physiotherapeuten gehen kann oder will, sollte auf das Kieser Training zurückgreifen, eine Fitnesskette, die sich auf medizinische Kräftigungstherapie spezialisiert hat. Ist das zu teuer, wären privat geführte Fitnessstudios eine Alternative.

Fitnessstudios – ein Fazit

Fitnessstudios helfen uns also, in einer Umwelt besser zu bestehen, die sich durch mangelnde Bewegung, falsche Körperhaltung und Schnelllebigkeit auszeichnet. Schlechte Ernährung ist dabei meist ein Nebenprodukt, denn wer keine Zeit hat, sich Gedanken über die Nahrung zu machen, greift zurück auf Junkfood.

Wer in ein Fitnessstudio geht, hat also zwei mögliche Ziele: besser aussehen und/oder gesünder leben, denn die Erkenntnis, dass Sport gesund macht, ist uns ebenfalls nicht erst seit kurzem bekannt.

Vielleicht ist es bei näherer Betrachtung also doch nicht ein so lächerlicher Gedanke, dass sich die Menschen auf den Fitnessgeräten quälen, sondern lediglich ihre Antwort auf die Nebenwirkungen, die ein von Technik umzingeltes Leben mit sich bringen:

Es ist die Suche nach einem Ausgleich durch Sport und körperbewusster Lebensweise in einer Welt, deren technische Entwicklung immer weiter voranschreitet, bis sie uns, wenn wir nicht aufpassen, eines Tages überholt. Sport ist dabei die Erinnerung an den eigenen Körper und dessen Gesundheit.

Bildquelle:
pixelio / andi-h


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