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Ein guter Tipp kann oft Gold wert sein

Wiesbadener Kurier

Ganzjahresreifen – alles in einem?

Geschrieben von Deborah Seifert

Alle Autofahrer kennen die Prozedur: Bei sinkenden Temperaturen im Herbst kommen die Sommerreifen runter. Ist im Frühjahr kein Schneefall mehr zu erwarten, kommen sie wieder drauf. Das kostet jedes Mal Zeit, Geld und dazu noch Nerven. Vor allem, wenn der Wechsel bei plötzlichem Wintereinbruch schnell über die Bühne gehen muss, fragt man sich, ob dieser Aufwand nicht irgendwie zu umgehen ist. Besonders, da der Schnee meistens eh nur für einige Tage auf den Straßen liegenbleibt. Aber Ausnahmen bestätigen bestätigen bekanntermaßen die Regel und der Winter 2009/10 hat Autofahrer in der ganzen Republik in Extremsituationen gebracht. Auch dieser Winter hat bisher auch gezeigt, was er kann und die Straßen schon gefährlich rutschig und glatt werden lassen, sodass man um eine geeignete Bereifung nicht herum kommt.

Ob Ganzjahresreifen nun etwas taugen oder nicht, darüber sind sich sogar die Hersteller uneins. Einige argumentieren, dass die sogenannten „Allseasons“ nicht viel mehr leisten können als Sommerreifen, da sie nicht aus der teuren Gummimischung hergestellt sind, die Winterreifen ausmacht. Andere setzen entgegen, dass die Mischung sehr wohl für Temperaturen bis -50° Celsius geeignet ist und auch bei hohen Plusgraden eingesetzt werden kann. Freilich sind die Befürworter marktführend, während die Gegner der Ganzjahresreifen diese nur sehr eingeschränkt oder gar nicht im Sortiment führen.

Allwetterreifen im Test

Aber was sagen Testergebnisse? Kann man bei jeder Wetterlage mit nur einem Reifen im Straßenverkehr bestehen? Oder spart man als Käufer nicht nur an Geld, sondern auch an Sicherheit? Die meisten Testreihen sind wie folgt aufgebaut: Getestet werden einige Allwetter-Modelle und zum Vergleich befinden sich auch immer ein reiner Sommer- und ein reiner Winterreifen in der Probandengruppe.

Dass der Sommerreifen allerdings bei allen Wintertests mehr als blass aussieht, ist wenig überraschend. Auf verschneiten Testpisten hat ein echter Sommerreifen keine Chance und im Fall der Fälle hat man Glück, wenn man mit ein paar Dellen und Beulen davonkommt. Dagegen schneiden reine Winterreifen erwartungsgemäß als Gruppenerster ab, wenn es um Brems- und Traktionsverhalten auf Schnee geht. Aber auch die Ganzjahresvarianten machen keine schlechte Figur auf dem winterlichen Parkett und können erstaunlich gut mithalten.

Schwachpunkt Bremsweg

Beim Nässetest hat der Sommerreifen konstant die Nase vorn, und die Allwetterprobanden kommen an dessen Leistung nicht heran. Beim Nassbremstest aus Tempo 100 brauchen sie über elf Meter mehr bis zum Stillstand. So ein verlängerter Bremsweg ist sehr riskant und kann schnell zu lebensgefährlichen Unfällen und hohen Kosten in der Autowerkstatt führen.

Überraschend jedoch bei der Testreihe: Auch bei niedrigen Temperaturen gegen den Gefrierpunkt kommt es kaum zu erkennbaren Verhärtungen in der Gummimischung des Sommerreifens. Und umgekehrt zeigt sich die Leistung der Ganzjahres- und Winterreifen kaum beeindruckt von steigenden Temperaturen bis 30°Celsius. So scheinen die Gummimischungen doch recht temperaturunempfindlich und ein Sommerreifen durchaus bei niedrigen Temperaturen einsetzbar und sicher zu sein.

Ohne Kompromisse geht es nicht

Mit Ganzjahresreifen ist man im Schnee sicher unterwegs. Sie kommen natürlich nicht ganz an die guten Leistungen eines speziellen Winterreifens heran, aber man kann ihnen ohne Weiteres Wintertauglichkeit attestieren. Allerdings kann man nicht die positiven Eigenschaften eines Sommer- und Winterreifens vereinen, ohne einen Kompromiss einzugehen. Und dieser Kompromiss fällt klar zu Ungunsten der Nass- und Trockeneigenschaften aus. Das Lenk- und Fahrverhalten ist leicht schwammig, aber noch viel gravierender ist ihr schlechtes Abschneiden beim Bremstest. Sowohl auf trockener als auch auf nasser Piste brauchen die Allwetterreifen mindestens eine Wagenlänger mehr, um zum Stehen zu kommen und diese Tatsache stellt ein ernsthaftes Sicherheitsmanko dar.

Wer also auf Nummer sicher gehen möchte und eine Fahrt mit dem Abschleppdienst vermeiden will, wechselt nach wie vor zweimal im Jahr die Reifen. Man sollte nur zu Ganzjahresreifen greifen, wenn man unbedingt um den Wechsel herum kommen will und sein Auto auch bei Schnee nicht stehen lassen kann. Zu beachten ist allerdings auch bei Reifen: unbedingt auf Qualität achten! Und die hat nun einmal ihren Preis. Man tut sich mit einer billigen Variante aus China keinen Gefallen. In Tests schneiden dieses regelmäßig miserabel ab.
Übrigens: Eine geeignete Bereifung ist seit einiger Zeit in der Straßenverkehrsordnung vorgeschrieben. Dennoch erlischt der Schutz der Haftpflichtversicherung nicht, auch wenn man im Winter mit Sommerreifen unterwegs ist. Aber zu empfehlen ist dies ganz sicher nicht, wenn man alle Ausflugsziele auch in der kalten Jahreszeit sicher erreichen will.

Wer sich über bestimmte Modelle schlau machen möchte, findet z. B. auf www.adac.de viele Testreihen und genau aufgeschlüsselte Ergebnisse.

Bildquellen:
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